Cannabis ist Jugenddroge Nummer eins
Bild: Frielinghaus
Die Polizei im Kreis Gütersloh erwischt immer mehr Personen mit Drogen. Im Jahr 2008 waren es 834 Fälle, heißt es in der Kriminalitätsstatistik.
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Ogan ist im Kriminalkommissariat für Prävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde Gütersloh tätig. Sie vermutet, dass sich die tatsächliche Zahl der Personen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen, in den vergangenen zehn Jahren nur geringfügig verändert hat.

Tests sind präzise und schnell

„Das liegt daran, dass es sich bei Rauschgiftkriminalität um ein sogenanntes Kontrolldelikt handelt“, erklärt Ogan. Je mehr kontrolliert werde, desto mehr Strafbestände dieser Art würden aufgedeckt.  Entscheidend sei außerdem die technische Ausstattung der Beamten. Bei Verkehrskontrollen oder -unfällen zum Beispiel können die Polizisten anhand von Tests mittlerweile sehr präzise und schnell feststellen, ob jemand Drogen konsumiert hat oder nicht.

Auch das Anzeigeverhalten der Bevölkerung habe sich verändert. Gezielte Hinweise führten die Polizei immer wieder zu Drogendelikten. Tipps bekämen sie etwa von Nachbarn, die verdächtige Beobachtungen gemacht hätten, von Lehrern und vereinzelt auch von Eltern, die sich in Bezug auf ihre Kinder nicht mehr zu helfen wüssten. Die Dunkelziffer sei trotz allem nach wie vor hoch.

Warnt vor dem Konsum von Cannabis und anderen Drogen: Kriminaloberkommissarin Vanessa Ogan.

Bereitschaft zum Konsum hat zugenommen

Die größte Gruppe der Personen, die 2018 von der Polizei mit Drogen erwischt worden ist, sind Jugendliche (14 bis 18 Jahre) und Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) – an der Zahl 732. In 2 Fällen waren es Kinder (bis 14 Jahre), in 100 Fällen Erwachsene (ab 21 Jahren). Das liege auch daran, dass die Bereitschaft Cannabis zu konsumieren bei dieser Zielgruppe zugenommen habe, sagt Ogan.

Vorrangig wird im Kreis Gütersloh Cannabis in Form von Marihuana sichergestellt. „Cannabis ist die Jugenddroge Nummer eins“, sagt Ogan. Amphetamine würden seltener sichergestellt.

THC-Gehalt enorm gestiegen

Wer behaupte, Marihuana sei nicht gefährlich, liegt falsch. Oft höre Vanessa Ogan von älteren Menschen, die das Thema Drogen auf die leichte Schulter nehmen: „Ich habe davon auch keine Psychose entwickelt“. Vor solchen Aussagen kann die Polizistin nur warnen.

Der Grund: Der Gehalt des Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol), der den Rausch hervorruft und Psychosen verursachen kann, ist heute um ein vielfaches höher als früher. „In den 1970er-Jahren lag der Wert bei 5 bis 6 Prozent, heute liegt er bei 30 und mehr Prozent“, sagt Ogan. Hinzu komme, dass der Gehalt des ebenfalls im Cannabis enthaltene Cannabidiol, das nachweislich vor Psychosen schützt und eine schmerzlindernde und beruhigende Wirkung hat, indes wesentlich geringer geworden ist. Das verstärke die Gefahr, bei dauerhaftem Konsum eine Psychose zu entwickeln.

Anbauer denken wirtschaftlich

Aber warum hat sich die Zusammensetzung verändert? Die Drogen-Anbauer denken wirtschaftlich: „Konsumenten werden viel schneller abhängig von Cannabis“, erklärt Ogan. Und das bedeute mehr Kunden und entsprechend höhere Einnahmen.

Besonders gefährlich sei die Substanz für junge Konsumenten. „THC wirkt direkt im Gehirn und verändert dort wichtige Stoffwechselprozesse“, erklärt die Polizistin. Bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden könne das zu schweren Schäden führen, weil das Gehirn noch nicht vollends ausgereift sei. Konkret bedeute das unter anderem, dass das Wachstum des präfrontalen Cortex (der Bereich des Gehirns hinter der Stirn) stagniert. „Dieser ist zum Beispiel für komplexe Denkvorgänge und das Treffen von Entscheidungen zuständig“, erklärt Ogan.

Laut einer bundesweiten Statistik, so die Kriminaloberkommissarin, hätten in Deutschland unter den 12- bis 17-Jährigen rund 10 Prozent schon Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Zähle man die 18- bis 25-Jährigen dazu, erhöhe sich die Zahl auf 30 Prozent. Darin seien nicht nur Abhängige, sondern auch Einmal-Konsumenten enthalten.

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