Claudia Gerlach liebt Verantwortung
Die Rietbergerin Claudia Gerlach ist seit 2009 selbstständig. Die Gestaltungstechnische Assistentin hat ein Grafik-Dienstleistungsunternehmen gegründet und berichtet im Interview und beim Unternehmerinnentag am 16. Oktober von ihren Erfahrungen.

Die Fachfrau mit dem Schwerpunkt Grafikdesign hat im Jahr 2009 ein Grafik-Dienstleistungsunternehmen gestartet. Beim Unternehmerinnentag am 16. Oktober ist sie mit von der Partie. Im Interview berichtet die Rietbergerin schon mal von von ihren Erfahrungen.

„Die Glocke“: Frau Gerlach, war die Entscheidung für die Selbstständigkeit vor zwei Jahren eine gute Entscheidung?

Gerlach: Ich habe es bis heute nicht bereut. Bereits in meiner letzten Festanstellung konnte ich sehr frei arbeiten. Projektplanungen, Arbeitseinteilungen, Kundenkontakte und auch Kalkulationen gehörten zu meinem Aufgabengebiet, und so kam ich mir manchmal fast schon wie eine festangestellte Selbstständige vor. Heute stehe ich tatsächlich in allen Bereichen in der vollen Verantwortung, bin für alles und jeden ansprechbar. Das ist jeden Tag eine neue, große Herausforderung, die die Selbstständigkeit so spannend macht. Ich versuche, die Balance zwischen „selbst“ und „ständig“ sowie einem vernünftigen Privatleben zu halten. Was mir bisher ganz gut gelingt.

„Die Glocke“: Sie gestalten Firmenlogos, Visitenkarten, großflächige Werbungen, Internet-Seiten, Flyer und durchgängige Konzepte. Dazu braucht man viel Kreativität und muss dazu noch den Geschmack der Kunden treffen. Ist das schwierig?

Gerlach: Darauf antworte ich mit einem klaren „Jein“. Kreativität ist von der Tagesform abhängig. Es gibt Tage, da geht einfach gar nichts. Dann lege ich die Dinge auch schon mal zur Seite und versuche, den Kopf wieder frei zu bekommen. Um den Geschmack des Kunden zu treffen, ist es für mich wichtig, ein Projekt bereits im Vorfeld detailliert zu besprechen. Sind ein Kunde oder seine Branche eher konservativ oder liberal? Ist er für Neues aufgeschlossen? Wie sieht es mit dem Budget aus? Welche Zielgruppe soll wie erreicht werden? Diese Faktoren wirken sich auf die Gestaltung aus. Trotzdem sind immer wieder Designs dabei, die ich als „Schuss ins Blaue“ sehe, speziell wenn ich den Kunden noch nicht gut kenne. Zum Glück konnte ich bisher viele Treffer verbuchen.

„Die Glocke“: Gibt es aus Ihrer Sicht typische Gestaltungsfehler?

Gerlach: Ein großer Fehler ist motivations- und reflektionsloses Arbeiten. Gestalten, ohne über das Projekt und seine Ziele nachzudenken und es daher auch nicht verstanden zu haben. Und: Mehr ist nicht mehr. Von allem etwas mehr ist schnell von allem einfach nur zu viel. Zu viele unterschiedliche Farben, Schriften, Größen und Effekte – so macht man sich die Selbstdarstellung kaputt.

„Die Glocke“: Warum muss sich aus Ihrer Sicht auch ein kleines Unternehmen mit Corporate Design beschäftigten?

Gerlach: Weil sich auch kleine Unternehmen im Markt behaupten müssen. Mit einem stimmigen Auftritt und einer gezielten Unternehmenssprache können sich gerade kleine Firmen in der Aufbauphase einen Marktvorteil verschaffen. Eine Corporate Identity ist die unverwechselbare Identität eines Unternehmens, das Image und Profil der Firma. Dadurch zeichnet sie sich aus. Visuell transportiert wird dieses Image durch das Corporate Design. Ein einheitlicher Auftritt schärft das Profil und hilft jeder Firma in einem von Informationen überfluteten Markt wahrgenommen zu werden und sich von der Konkurrenz abzuheben.

„Die Glocke“: Sie machen mit, beim Unternehmerinnen-Tag im Kreis Gütersloh und bieten Geschäftsfrauen ein kostenloses Erstgespräch zum Thema Corporate Design an. Warum sollten die Frauen ihr Angebot nutzen?

Gerlach: Weil Geschäftsfrau zu sein oder zu werden mehr ist, als nur das eigene Produkt zu verkaufen. Wenn keiner weiß, dass es mich gibt und keiner weiß, was ich Besonderes kann, dann wird es schwer, am Markt zu bestehen. Ich biete beim Unternehmerinnen-Tag die Möglichkeit, sich unverbindlich über visuelle Kommunikation zu informieren. Natürlich kann besonders am Anfang der Selbstständigkeit keiner aus dem Vollen schöpfen und sich das „Rundum-sorglos-Paket“ leisten. Aber ein professionelles Logo, ein Schriftzug, Briefpapier, Rechnungsbogen und Visitenkarten sollten schon sein.

„Die Glocke“: Warum machen Sie beim Aktionstag mit?

Gerlach: Ich bin selbst noch Existenzgründerin und möchte anderen Frauen in derselben Situation die Möglichkeit bieten, über ein erstes eigenes Corporate Design zu sprechen und die Sinne für ein einheitliches Auftreten zu schärfen. Natürlich nehme ich auch teil, um mich selbst zu präsentieren. Ich finde, Gestaltung ist auch Vertrauenssache. Das persönliche Kennenlernen hat dabei einen hohen Stellenwert. Neue Kontakte sind immer gut.

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