„Corona ist kein Storno-Grund“
Bild: Steinecke
Um seine Sommerkundschaft müsse er nicht kämpfen, sagt Kristian Schlüter von Reisemobile Schlüter in Gütersloh.
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„Nachdem wir Mitte März quasi auf null gesetzt worden sind, läuft das Geschäft jetzt wieder an“, sagt Manfred Küssner vom Familienunternehmen Wohnmobilvermietung OWL in Gütersloh. Die Corona-Krise habe die Einnahmen von circa zwei Monaten gekostet. „Uns fehlen rund 150 000 Euro, denn normalerweise sind unsere 21 Fahrzeuge ab den Oster- bis einschließlich der Herbstferien komplett ausgebucht.“ Ein Umsatz, der nicht wiederkomme.

Mietvertrag gilt für Fahrzeug, nicht für eine Reise

Als die Pandemie samt ihrer Verordnungen ins Rollen kam, wollten viele Kunden ihre Buchung stornieren oder verschieben. Rein rechtlich hätte man diesem Wunsch nicht folgen müssen, so Küssner. „Corona ist kein Storno-Grund. Der Mietvertrag gilt für das Fahrzeug, nicht für eine Reise in das Land“, erläutert der Caravan-Techniker. Aus Kulanzgründen und um Stammkunden nicht vor den Kopf zu stoßen, habe man Buchungen verschoben, teilweise bis ins Jahr 2021. Für die Sommerferien seien kaum Stornierungen vorgenommen worden. „Wir haben den Kunden geraten zu warten, wie sich die Situation entwickelt.“ Der Juni sei normalerweise der meistgebuchte Monat. „Jetzt ist er etwa zur Hälfte belegt. Aber das wird sich mit Sicherheit noch ändern.“

Schon jetzt ist das Verreisen innerhalb von Deutschland möglich. Viele der aktuellen Anfragen kommen laut Küssner kurzfristig. „Himmelfahrt und Pfingsten sind bevorzugte Reisezeiträume.“ Gerade am Mittwochvormittag habe er Mietverträge für drei Fahrzeuge abgeschlossen. „Im Gespräch mit den Kunden wird klar, dass sie sich in einem Wohnmobil sicherer fühlen als etwa bei einer Pauschalreise. Man entscheidet selbst, mit wem man in Kontakt kommt.“ Durch das Reisen mit dem Caravan sei man vollkommen unabhängig. Küssner weist zudem darauf hin, dass auf Campingplätzen sanitäre Anlagen wegen der Corona-Verordnung gesperrt seien. Nur Fahrzeuge mit Dusche und Toilette würden hereingelassen.

Viele Campingplätze sind ausgebucht

Die Auswirkungen der Corona-Krise bekam auch das Familienunternehmen „Auf Achse“ in Herzebrock-Clarholz (vier Fahrzeuge) zu spüren. „Eine Stornierung nach der anderen“, sagt Michaela Schuller. „Erst seit Mitte vergangener Woche tut sich wieder etwas.“ Das bringt jedoch ein Problem mit sich: „Viele Campingplätze, gerade an Ost- und Nordsee, sind schon ausgebucht.“

Auf Umbuchungs- und Stornierungswünsche ist man bei „Auf Achse“ in Herzebrock-Clarholz eingegangen. „Für die Corona-Krise kann niemand etwas, am allerwenigsten der Kunde“, sagt Michaela Schuller. Seit der Lockerung der Reisebeschränkungen häuften sich die Anfragen. „Wir wollen niemanden verärgern und auch nicht unseren Ruf beschädigen, aber Stornierungen sind bei uns ab sofort nicht mehr möglich“, betont Michaela Schuller. „So etwas wie das Coronavirus haben wir noch nie gehabt. Da kann es in paar Tagen mit den Lockerungen wieder vorbei sein.“ Dies mache sie Kunden, die jetzt buchen wollten, vor Vertragsabschluss unmissverständlich klar.

Kompletter Einbruch kurz vor Ostern

Aus 18 Fahrzeugen besteht die Flotte von Reisemobile Schlüter in Gütersloh. Nach der Flaute herrscht nun mehr Betrieb. Inhaber Kristian Schlüter beobachtet: „Viele Interessenten hatten Urlaub geplant, der wegen der weltweiten Reisewarnung gestrichen wurde. Den Urlaub müssen sie laut Arbeitgeber trotzdem antreten. Dann stehen sie vor der Wahl, zu Hause zu bleiben – oder einfach mal mit einem Wohnmobil zu verreisen.“

Die Kunden seien verhaltener geworden, „als Covid-19 in den Köpfen ankam“. Normalerweise starte die Wohnmobil-Saison zwei Wochen vor den Osterferien. „Dann kam es zum 100-prozentigen Einbruch.“

Um seine Sommerkundschaft müsse Schlüter aber nicht kämpfen. Vereinzelte Stornierungen seien von Urlaubern erfolgt, die zur Corona-Risikogruppe zählten und eine Reise nach Frankreich oder Italien geplant hatten. „Im Kalender sind einige Lücken entstanden.“ Schlüter ist sich sicher, diese schließen zu können.

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