Das Erinnern soll zum Frieden beitragen
Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU, Jochen Gürtler (links) und Jürgen Gärtner, legen am Obelisken gemeinsam einen Kranz nieder.

Am Sonntag hatte die Dokumentationsstätte erstmals zu einem Tag des stillen Gedenkens eingeladen, um an die Opfer des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Auf den Tag genau vor 73 Jahren war der Krieg mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion weiter eskaliert. Manfred Büngener erinnerte an die Menschen, die an den Strapazen der Lagerhaft gestorben waren. „Die Opfer dürfen nicht vergessen werden.“

Im Kriegsgefangenenlager Stalag 326 in der Senne waren in den Jahren 1941 bis 1945 Tausende, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene zu Tode gekommen. Zahlreiche Gäste, unter ihnen die Konsulin des serbischen Generalkonsulats Milena Karagatscha sowie der Vizekonsul des Generalkonsulats der Russischen Föderation Dmitri Korelev, versammelten sich auf dem Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter und legten Kränze und Blumen am Obelisken nieder.

Auch der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kuschaty wohnte der Gedenkfeier in seiner Funktion als Landesvorsitzender des Bundes für Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei. „Es ist ein wichtiger Tag des Gedenkens“, betonte Kuschaty. Das Engagement der Mitarbeiter, die die Erinnerung wach hielten, sei vorbildlich. Unabhängig von Parteizugehörigkeit solle der Tag des stillen Gedenkens über alle Grenzen hinweg vor allem der Friedensarbeit dienen, betonte auch Oliver Nickel, Geschäftsführer der Stalag-Dokumentationsstätte. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Fördervereins boten außer dem Besuch des Friedhofs auch Führungen in den denkmalgeschützten Gebäuden der Dokumentationsstätte an.

Zeitzeuge Ferdinand Matuszek (88), ein ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter, hat die Kriegsgefangenschaft überlebt. Er war gekommen, um das Grab eines russischen Zwangsarbeiters zu besuchen. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Matuszek ansehen müssen, wie ein Mann auf dem Lager-Gelände des Rüstungsbetriebs Weserhütte von einem SA-Wachmann willkürlich erschossen worden war. Friedhelm Schäfer, Historiker und Vorstandsmitglied im Förderverein der Gedenkstätte, hatte Matuszek darüber informiert, dass der Verstorbene in den 50er-Jahren aus Rehme (Kreis Herford) auf den sowjetischen Ehrenfriedhof umgebettet worden war.

Der stellvertretende Schloß Holte-Stukenbrocker Bürgermeister Hans Schäfer stellte in seiner Ansprache heraus, dass eine nachhaltige Förderung des Lands von zentraler Bedeutung für den Erhalt der Dokumentationsstätte sei. Die Historikerin Andrea Kamp hielt zudem den Vortrag „Museale Erinnerung an den Krieg im Osten“.

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