Der eigenen Vergangenheit auf der Spur
Einen Blick hinter die Kulissen des Schlosses Rheda haben in dieser Woche hörgeschädigte Menschen aus dem Kreis Gütersloh geworfen. Einige von ihnen hatten Ende der 50er-Jahre die dort vorübergehend unterge brachte Gehörlosenschule besucht.

Sie hatten von 1957 bis 1960 die vorübergehend im Schloss eingerichtete Kreisgehörlosenschule besucht. „Die Besichtigung soll wie alle weiteren Veranstaltungen des Netzwerks Möglichkeiten zu Begegnungen von hörenden und hörgeschädigten Menschen eröffnen“, erklärten die Organisatorinnen Ursula Rutschkowski und Pastorin Heike Kerwin an Ort und Stelle.

Hörgeschädigte im Schloß Rheda

Die Opferschutzbeauftragte der Polizei Gütersloh und die Gehörlosen-Seelsorgerin der evangelischen Kirche engagieren sich mit weiteren Vertretern der Diakonie und des Kolpingwerks sowie der Gehörlosen-Vereine im Kreis, um bei kulturellen und informativen Veranstaltungen Begegnungen zu ermöglichen und Hemmnisse abzubauen.

Eine gute Gelegenheit war die gemeinsame Besichtigung des Wasserschlosses an der Ems. Erstmals ist die auf einem von Hand aufgeworfenen Hügel errichtete Burganlage 1170 erwähnt. Sie wurde vom Kreuzritter Widukind von Rheda erbaut und 1365 an Otto von Tecklenburg vererbt. Durch Heirat gingen die Burg und die Herrschaft Rheda in den Besitz der Grafen von Bentheim über. Die Burganlage wird als Wohnsitz der Familien des Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg genutzt und ist zum Teil als Museum zugänglich. Ein anderer Bereich findet als Firmen-Büros Verwendung.

Holzwände verdecken kostbare Tapeten

Die Gehörlosen besichtigten den Kapellenturm aus dem 13. Jahrhundert mit seiner zweigeschossigen romanischen Schlosskapelle und den Haupttrakt, der nach einem verheerenden Brand im schlichten Barockstil neu aufgebaut wurde. Das besondere Interesse fanden neben der beeindruckenden Kapelle und ihrer Geschichte auch der Weiße Saal sowie die Zimmer mit ihren in Europa einzigartigen kostbaren Bildtapeten. Gerade letztere verschlugen einigen Frauen die Worte: „Als ich 1957 in diesen Räumen die Gehörlosenschule besuchte, waren alle Wände weiß – ich kenne diese Pracht nicht“, erzählt Karin Dormann mit Hilfe ihres Ehemanns und Gebärdensprachdolmetschers Norbert.

Schlossführerin Ingrid Steffens hatte die Erklärung parat: „Um die kostbaren Bildtapeten zu retten, ließ die Fürstin im Zweiten Weltkrieg die Wände und Decken mit Holz verkleiden und mit weißer Farbe versehen. So wurden die Kostbarkeiten gerettet.“

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