Die Abstammung spielt keine Rolle
Bild: Neitemeier
Ein Viertel der 32-köpfigen Poggengerd-Belegschaft in Marienfeld hat Migrationshintergrund: (v. l.) Arbeitsagenturchef Thomas Richter und Handwerkskammerpräsidentin Lena Strothmann ließen sich gestern von Koray Yilmaz und Ali Tayan sowie Firmenchef Peter Poggengerd die gelebte und selbstverständliche Integration erläutern. 
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Davon haben sich am Mittwoch, dem Tag des Ausbildungsplatzes, Lena Strothmann, die Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe, und Thomas Richter, der Leiter der Bielefelder Agentur für Arbeit, überzeugt. Beim Besuch des modernen Spezialisten in Sachen Drehen, Fräsen und Schleifen warben sie nicht nur für die betriebliche Lehre an sich, sondern auch für die Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund.

Denn längst nicht alle Arbeitgeber gingen das Thema so vorurteilsfrei an wie Peter Poggengerd, sagte Richter. Aber: Auch die Migranten selbst müssten sich kümmern, ihre Chancen nutzen und Interesse zeigen.

So wie Ali Tayan (27) und Koray Yilmaz (23). Beide sind in Deutschland geboren. Der eine hat türkische, der andere britische Eltern. Tayan arbeitet auch nach seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker weiter bei Poggengerd, Yilmaz absolviert diese Lehre noch. „Wir haben nie Schwierigkeiten mit der Integration gehabt“, betonen beide übereinstimmend – wohlwissend, dass die deutsche Sprache für sie auch nie ein Hindernis war.

2334 Bewerber bei 1533 freien Lehrstellen

„Integration gelingt am besten über Arbeit“, sagt Lena Strothmann. Und da habe das Handwerk viel zu bieten. Mehr als ein Drittel des Handwerkernachwuchses in Ostwestfalen-Lippe habe keine deutsche Abstammung, berichtet Wolfgang Borgert, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kammer. „So wie Migranten unsere Kunden sind, sind sie auch unsere Mitarbeiter – mit Aufstiegschancen wie für jeden anderen auch.“

Das Handwerk wirbt auch angesichts des Fachkräftemangels um „leistungsstarke Schüler“. Borchert kritisiert die „massiven Werbeaktionen“ der Berufskollegs, die dazu führten, dass „zu viele Realschüler in den weiterführenden Bereich wechseln“. Dass Handwerk längst hochtechnisiert ist, betont Peter Poggengerd. Computergesteuert produziere sein Betrieb auch Teile für die Automobilindustrie und die Medizintechnik: „auf den 1000stel-Millimeter genau“.

Im Kreis Gütersloh und in Bielefeld stehen 1533 freien Lehrstellen 2334 Bewerber gegenüber. Auch bei Poggengerd in Marienfeld ist noch ein Ausbildungsplatz unbesetzt.

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