Dunkle Perle zeigt Trauer an 
Trauerperle: Sie soll dort Trost und Kraft spenden, wo alte Trauerrituale nicht mehr gelebt werden, sagt die ehemalige Wiedenbrückerin Angelika Kaddik.

Die Trauerperle soll dort Trost und Kraft spenden, wo alte Trauerrituale nicht mehr üblich sind. Angelika Kaddik hat bis 2004 acht Jahre in Wiedenbrück gelebt. In dieser Zeit war sie unter anderem ehrenamtlich für die Aids-Hilfe Gütersloh/Bielefeld tätig. Auch für den Verein „Trotz Allem“ arbeitete sie als psychologische Beraterin. Daher sind für sie die Themen Tod und Trauer immer auch Bestandteil ihrer Arbeit gewesen.

Als sie im Dezember 2010 selbst den Verlust eines ihr nahestehenden Menschen zu beklagen hatte, fiel ihr auf, dass der Umgang mit der Trauer in der Gesellschaft tabuisiert ist. Es gebe keine Rituale wie beispielsweise das Trauerjahr mehr. Damit setze der Alltag viel zu schnell wieder ein. Der Tod finde so nur noch begrenzt in der Öffentlichkeit statt. „Dieses Ablenken statt Innehalten lässt erahnen, wie Menschen das Trauern erschwert wird“, erklärt die Heilpraktikerin für Psychotherapie. Eine wirkliche Verarbeitung brauche Zeit.

Die von ihr entworfene Trauerperle setzt dort an: Als Symbol am Revers zeigt sie, dass sich Menschen in einer schweren Lebenssituation befinden. Dies soll Hinterbliebenen helfen, indem es signalisiert, dass man Trost und Unterstützung braucht.

Aus eigener Erfahrung hofft Angelika Kaddik aber auch auf ein Gefühl der Verbundenheit, wenn man einem anderen Trauerperlenträger begegnet. Erlebt hatte sie das schon in ihrer ehrenamtlichen Zeit bei der Aids-Hilfe in Gütersloh, als sie dort die rote Aids-Schleife trug: „Ich erinnere mich an einige Momente des Erkennens und der Verbundenheit, wenn ich jemandem mit der Schleife begegnet bin.“

Diesen Effekt wünscht sie sich auch für die Trauerperle: „Ich kann mir vorstellen, dass es trauernden Menschen ähnlich gehen kann, wenn sie anderen begegnen, die eine Trauerperle tragen. Und vielleicht fühlen sie sich genau in diesem Moment nicht so allein.“ Die Perle sei schließlich auch ein Symbol für gemeinschaftliches Abschiednehmen. Durch diese neue Offenheit soll den Menschen die Unsicherheit und Angst vor Trauernden genommen werden.

Die ehemalige Wiedenbrückerin Angelika Kaddik arbeitet als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Potsdam. Aktuell schreibt sie an einem Trostbuch, einem Ratgeber für Trauernde.

www.trauerperle.de

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