„Ehe“ der Diakonien ist geplatzt
Walter Hempelmann, Ingo Hansen und Christian Heine-Göttelmann

Damit wird auch Ingo Hansen seine Doppelfunktion aufgeben und ab Sommer wieder „nur“ die Geschäfte der Diakonie Halle leiten. „Beide Verwaltungsräte haben nach ausführlicher Analyse der Geschäftsprozesse einvernehmlich entschieden, den Weg zu einem Verbundsystem derzeit nicht weiter zu verfolgen“, heißt es in der Mitteilung. Es habe unterschiedliche Auffassungen über den gemeinsamen Weg gegeben, sagte Christian Heine-Göttelmann, Superintendent des Kirchenkreises Gütersloh und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Diakonie. Es sei aber beabsichtigt, in puncto Kooperationen im Gespräch zu bleiben.

Wirtschaftlich an der Kante

Die „Ehe“ der beiden Einrichtungen kam wohl wegen der unterschiedlichen finanziellen Ausgangslagen nicht zustande. Während nämlich der Haller Superintendent Walter Hempelmann feststellen durfte: „Wir stehen gut da“, plagen seinen Kollegen arge Sorgen. Der externe Berater Johannes Schäfer aus Meschede spricht Klartext: „Die Diakonie Gütersloh fährt wirtschaftlich an der Kante des Tisches.“ Die kirchlichen Zuschüsse seien in viereinhalb Jahren von einer Million Euro auf 440 000 Euro zurückgegangen, berichtete Ingo Hansen. Auf der anderen Seite stünden die im Vergleich zu freien Anbietern überdurchschnittlichen Bezahlungen nach dem Bundesangestellten-Tarifvertrag. Dazu kämen noch Beiträge zur kirchlichen Altersvorsorge. „Wir müssen reagieren, bevor eine Zwangssituation eintritt“, gibt es laut Schäfer für den Umbruch keine Alternative. Im operativen Geschäft, also in der Pflege und Beratung, soll das Personal erhalten bleiben, wie Christian Heine-Göttelmann sagte.

Verschlankungen in der Verwaltung

Allerdings müsse es auf der „Overhead-Ebene“ Verschlankungen geben. Gemeint ist damit die Verwaltung. Insgesamt beschäftigt die Diakonie Gütersloh derzeit 360 Mitarbeiter, davon 140 in Vollzeit. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, muss die Diakonie Gütersloh Kosten sparen und sich zugleich auf ein breiteres Fundament stellen. Mit möglichen Partnern sei man bereits im Gespräch, sagte Göttelmann am Freitag. Es deutet einiges darauf hin, dass bei der neuen „Brautschau“ ein benachbarter Diakonie-Kreis umworben wird.

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