Ein Lebensweg in 70 Bildern
Bild: Steinecke
Seit Mai 2012 ist David Riedel künstlerischer Leiter des Peter-August-Böckstiegel-Hauses in Werther. In den vergangenen fünf Jahren war er vor allem mit dem Neubau des Museums beschäftigt. Drei Wechselausstellungen im Jahr sollen in dem Neubau gezeigt werden.
Bild: Steinecke

Was am Montag noch der Presse vorbehalten ist, kann ab Freitag, 31. August, von jedermann angeschaut werden. „Ausdruck seines Ursprungs“ heißt die Ausstellung, die bis zum 21. Oktober in dem Neubau zu sehen ist. Gut 70 Werke Böckstiegels sind ausgestellt, 6 davon sind Leihgaben aus Privatbesitz. In dieser Schau will David Riedel, künstlerischer Leiter des Museums, die Biografie des Wertheraner Expressionisten nachzeichnen – vom ersten noch erhaltenen Werk aus dem Jahr 1910 bis hin zum letzten Gemälde kurz vor seinem Tod im Jahr 1951.

Wer allerdings die vier Ausstellungsräume betritt, wird zunächst direkt auf ein anderes Bild Böckstiegels gestoßen – nämlich auf sein Selbstporträt, das er ganz im Stil seines Vorbilds Vincent van Gogh gemalt hat. „Wie eine Ikone“, sagt Riedel, werde dieses Werk präsentiert. „Die ersten Bilder Böckstiegels waren zunächst sehr handwerklich“, sagt der künstlerische Leiter. Nach und nach – und das kann man an der Hängung, wie sie im neuen Museum erfolgt ist, gut nachvollziehen – werden die Bilder freier, nicht mehr streng akademisch.

Ein dunkles Kapitel im Leben des Künstlers zeichnet sich im nächsten Raum ab. Den Ersten Weltkrieg empfand er als tiefen Einschnitt in sein Schaffen. „Dabei war er in den Kriegsjahren sehr produktiv“, sagt Riedel. Von zu Hause habe er per Feldpost Malutensilien zugeschickt bekommen. So habe er selbst in Russland die Möglichkeit gehabt, Bilder zu malen. Beispielsweise ein Kinderbegräbnis habe er mit harten Kanten und klaren Linien dargestellt. Ein Erlebnis, das ihn sehr berührt habe, habe er doch selbst zu dieser Zeit unbedingt Vater werden wollen, so Riedel.

Auch wenn ihn seine Zeit im Krieg und in Dresden stark beeinflusst haben, so sehnte sich Böckstiegel immer wieder zurück nach Werther – zu seinen Ursprüngen. Es dauerte eine Weile nach dem Krieg, bis Böckstiegel sich auch wieder auf seine künstlerischen Wurzeln besann und mehr Farbe verwendete. Er hielt an seinem Stil fest, obwohl seine Werke während der Nazi-Zeit aus Galerien entfernt wurden: Sie waren zu farbenfroh, und der Wertheraner stand linken Künstlern zu nahe.

Dass der große Moment, auf den die Beteiligten so viele Jahren hingearbeitet haben, nun endlich eingetroffen ist, war am Montag für manche noch nicht ganz begreifbar. „Es fühlt sich ganz besonders gut an, heute hier zu sein“, sagte Beate Behlert, Geschäftsführerin der Böckstiegel-Stiftung. Eigentlich war die Eröffnung schon vor einem Jahr geplant gewesen. Verzögerungen beim Bau – besonders bei den Fenstern – machten dieses Vorhaben aber zunichte.

Landrat Sven-Georg Adenauer erklärte, dass sonst immer die Wirtschaftsstärke des Kreises im Fokus stünde. Nun werde einmal die Kultur in den Vordergrund gerückt. Die ehemalige Landrätin und Vorsitzende der Böckstiegel-Stiftung, Ursula Bolte, ist mittlerweile seit 30 Jahren mit dem Schaffen des Künstlers vertraut, lernte seine Witwe kennen und stand im Kontakt mit Böckstiegels Kindern Vincent und Sonja. Sie bedankte sich für die Unterstützung, die sie auf allen Ebenen bekommen habe. Dem konnte sich die Kuratoriumsvorsitzende Elke Hardieck nur anschließen. Es sei schon erstaunlich, wie sich auch private Spender und Förderer eingebracht hätten. 1,2 Million Euro haben sie immerhin zu dem Bau beigetragen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) förderte das neue Museum mit 600 000 Euro. „Wir investieren, wenn es eine fachliche Relevanz hat“, sagte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Landesrätin für Kultur beim LWL.

Das Museum Peter August Böckstiegel, Schlossstraße 109-111, Werther, ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Führungen nach Vereinbarung. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

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