Ein stürzender Elefant als Glücksfall
Bild: Pieper
Der Langenberger Bildhauer Bernd Bergkemper mit seinem Entwurf für die „Tuffi“-Skulptur.
Bild: Pieper

Und damit erlebt eine mehr als bizarre Geschichte ihre Wiederauferstehung. Denn der 62-Jährige hat den Auftrag erhalten, ein Abbild von „Tuffi“ zu erschaffen, jener jungen Elefantendame, die am 21. Juli 1950 als Marketing-Gag des damals in Wuppertal gastierenden Zirkus Althoff eine Fahrt in der Schwebebahn machte, dabei in Panik geriet, durch Fenster und Außenwand des Waggons 13 brach und in die zehn Meter unter ihr fließende Wupper stürzte.

Die Fotomontage erinnert an Tuffis Absturz 1950.
Tuffi hatte Glück im Unglück. Obwohl das Wasser dort nur knapp 50 Zentimeter tief ist, kam die auf ihrem Hinterteil gelandete Elefantendame mit dem Schrecken und paar Schrammen davon. Am Abend zeigte sie in der Zirkusarena bereits wieder ihre Kunststücke. Original-Aufnahmen von dem Sprung gibt es nicht – obwohl Tuffi damals von einer ganzen Horde Journalisten begleitet wurde. Aber die waren alle so geschockt, dass keiner auf den Auslöser drückte. Erst später entstanden Foto-Montagen, die die Dramatik des Augenblicks zu dokumentieren versuchten.

 Der 2014 gegründete Wuppertaler Verein „Neue Ufer“ will nun, zum 70-Jährigen, mit einer Elefantenskulptur an dieses denkwürdige Ereignis erinnern. Zwar gibt es schon eine Bronzeplastik in der Einkaufszone der Schwebebahn-Stadt, aber die Langenberger Stein-Tuffi soll im August mitten im Fluss, am exakten Landeplatz zwischen den Schwebebahn-Stationen Alter Markt und Adlerbrücke als sogenannter Störstein installiert werden. Davon gibt es bereits mehrere, wobei es sich überwiegend um große, vom Wupperverband im Wasser deponierte Bruchsteine handelt, die Strömungen und Ruhezonen für Fische schaffen sollen. Einige, wie der „Lucky Lachs“, sind behauen.

Bergkempers Arbeit wird die erste richtige Skulptur in der Wupper sein. Unter 185 eingereichten Entwürfen hat der Langenberger Künstler den Zuschlag erhalten. Die Entscheidung fiel nicht zuletzt, weil der Verein von seinen bisherigen abstrakten Tierskulpturen begeistert war, vor allem von dem lebensgroßen Eisbär, den der Bildhauer 2015 für einen Privatkunden am Starnberger See geschaffen hat. Die Kosten für Tuffi übernimmt die Jackstädt-Stiftung – als Geschenk an die Stadt und deren Bürger. „Es geht darum, die Bindung der Wuppertaler mit der Wupper zu verstärken, eine Identifikation zu schaffen“, ergänzt Dajana Meier vom Verein „Neue Ufer“.

Tonnenschwere Erinnerung

War Bernd Bergkemper anfangs eher skeptisch angesichts der Idee, ausgerechnet einen sitzenden, oft genug mit dem Attribut „niedlich“ versehenen Jungelefanten auf seine ihm eigene, stets auf das Wesentliche reduzierten Art und Weise in Stein zu meißeln, gelang ihm doch schnell ein Gipsentwurf und dann das professionelle,

Aus Eifeler Basalt erschafft Bergkemper den Elefanten für die Stadt Wuppertal.
wettbewerbsentscheidende Betonmodell. Im Größenverhältnis 1 : 8 hat der Langenberger ein Styropormodell gefertigt, nach dessen Maßen und Linienführung er nun an der Umsetzung in grauem Eifel-Basalt arbeitet.

7,3 Tonnen schwer war der Stein bei seiner Anlieferung. 3,8 Tonnen hat Bergkemper bereits weggeschlagen. Er liegt gut in der Zeit, ist zuversichtlich, dass der geplante Transport und die Installation in der Wupper im August gelingt. Dafür wird die Stadt eine Grauwacke-Platte im Wasser befestigen auf der Tuffi dank zweier großer Edelstahlbolzen Halt finden wird. „Die ganze Aktion soll nachts zwischen 1 und 5 Uhr stattfinden, um den Betrieb der Schwebebahn obendrüber nicht zu stören“, verrät Bergkemper zwischen zwei Hammerschlägen. Und wer genau hinsieht, der erkennt, dass Tuffi gerade dabei ist, ihren Basalt-Rüssel neugierig in die Welt zu strecken.

Wie genau sich die Geschichte damals in Wuppertal abspielte, warum Tuffi eine ganz besondere Elefantendame war, wie hoch der Schaden beziffert wurde und was das Gericht bei seiner Urteilsverkündung zum abschließenden Strafverfahren zu Franz Althoff sagte, das lesen Sie in der „Glocke“ vom 14. Mai. 

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