Einsatz gegen Schleuser-Clan auch in Gütersloh
In den frühen Morgenstunden erfolgten die Durchsuchungen der Bundespolizei in unterschiedlichen Bundesländer.

Ein Syrer, der jetzt in Gütersloh wohnt, soll von der libanesischen Familie geschleust worden sein. „Die Beamten haben in der Wohnung in Gütersloh nach Beweisen für die Schleusung gesucht“, erklärte Christian Altenhofen, Sprecher der Bundespolizei Koblenz, auf Nachfrage. Über Ergebnisse der Untersuchung könne er noch keine Angaben machen. 

Einsatz in vier Bundesländern

Insgesamt waren 364 Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei, 27 Beamte des Polizeipräsidiums Trier und 6 Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Trier im Einsatz. Sie durchsuchten 29 Objekte in vier Bundesländern. „Zwei Haftbefehle wurden vollstreckt“, erklärte die Bundespolizei. 

Gefälschte Visa

Am Nachmittag erläuterte Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt Trier, einige Details. Die Ermittlungen hätten sich hauptsächlich gegen die libanesische Familie und zwei weitere Personen gerichtet, so Fritzen. Sie hätten mit enormem logistischen Aufwand Menschen illegal aus dem Ausland nach Deutschland und in die Niederlande transportiert. Dazu seien gefälschte Visa benutzt worden. Die Ausreisewilligen seien meist vom Flughafen Beirut aus nach Frankfurt am Main, nach München oder nach Amsterdam geflogen. Auch an den Ankunftsflughäfen seien die Geschleusten von Mitgliedern des Familienclans begleitet worden. In einigen Fällen sei die illegale Ausreise gescheitert, weil an der Passkontrolle die gefälschten Visa erkannt wurden.

Großteil der Familie lebt in Bitburg

„Das Ermittlungsverfahren wurde 2018 eingeleitet“, erläuterte Fritzen. Im Frühjahr 2019 sei es von Berlin aus an die Staatsanwaltschaft Trier übergeben worden, weil ein Großteil der Familie in Bitburg lebe. Durch die intensive Ermittlungsarbeit sei es gelungen, die meisten Abläufe der Schleusungen nachzuvollziehen. Am Donnerstag hätten zwei Haftbefehle vollstreckt werden können, unter anderem gegen den Kopf des Schleuser-Clans. Die Verdächtigen säßen jetzt in einer Justizvollzugsanstalt ein, so der Oberstaatsanwalt. Fritzen bedankte sich ausdrücklich bei den Einsatzkräften für ihre Arbeit.

Spezialkräfte der GSG 9 im Einsatz

In Rheinland-Pfalz wurden 16 Gebäude durchsucht, in Nordrhein-Westfalen 10, in Berlin 2 und im Saarland ein Haus. Wegen erhöhter Gefährdung wurden bei der Vollstreckung der Haftbefehle auch Spezialkräfte der GSG 9 der Bundespolizei eingesetzt, erklärte Polizeioberrätin Diana Fiedler bei der Pressekonferenz.

Ermittlungen wegen Bestechlichkeit

Im Rahmen der Ermittlungen habe es Hinweise auf mögliche weitere Straftaten gegeben, so Fritzen. Deshalb werde noch wegen Einbruchs und Ladendiebstahls ermittelt. Zudem werde gegen einen Mitarbeiter einer Verwaltungsbehörde wegen Bestechlichkeit ermittelt. Ein Polizeibeamter soll außerdem private Daten an die Kriminellen weitergegeben haben.

Gruppe zerschlagen

„Diese Form der organisierten Clankriminalität höhlt den Rechts- und Sozialstaat aus“, erklärte Dr. Dieter Romann, Präsident des Bundespolizeipräsidiums zu dem Erfolg der Einsatzkräfte. „Aber diese Gruppe ab heute nicht mehr.“

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