Elmar Brok warnt vor Scheitern Europas
Bild: Bitter
Sie diskutierten aktuelle europäische Probleme: (v. l.) Leana Kammertöns (Europe-Direct-Informationszentrum Kreis Gütersloh), Albrecht Pförtner (Pro Wirtschaft GT), Landrat Sven-Georg Adenauer, der Europaabgeordneter Elmar Brok und der politische Korrespondent Reinhard Brockmann.
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Allein dadurch werde den Menschen eine Perspektive gegeben, im eigenen Land zu bleiben. Brok sprach vor rund 200 Zuhörern im Forum des Gütersloher Carl-Miele-Berufskollegs Klartext: „Wenn zwölf Millionen rund um Syrien und dem Irak unterwegs sind, hält sie keiner auf.“ Der Europa-Politiker sprach auf Einladung des Informationszentrums Europe Direct im Kreishaus Gütersloh und nannte den IS-Terror eine neue Methode der Kriegsführung. Der Islamische Staat bekämpfe zwar die Christen, aber 95 Prozent der Toten seien Muslime.

Brok appellierte, Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Frau, die die Nerven behält“ eine Chance zu geben, bis alle die Lage begriffen hätten, dass kein Staat mehr allein handeln könne. Der Populismus des Augenblicks habe noch nie geholfen. Die Kanzlerin habe übrigens nicht auf eigene Faust gehandelt, sondern ihre Entscheidung bei der Europäischen Kommission angekündigt. Wenn aber schon nationale Politik nicht mehr helfe, müsse globalisierte Politik über Wahltermine hinausgehen, weil es nichts mehr gebe, was uns nicht auch berühre. Das Smartphone lasse sich nicht mehr abschaffen.

 Brok streute kritische Anmerkungen mit Blick auf historische Entwicklungen ein: So habe Altkanzler Helmut Kohl aus dem 1998 ratifizierten EU-Vertrag von Amsterdam eine gemeinsame europäische Asylpolitik streichen müssen, weil die Länder sonst nicht unterschrieben hätten. Nicht die EU, sondern ihre Mitgliedsstaaten hätten die Hilfsmittel für die Flüchtlingslager in der Türkei, im Libanon und in Jordanien gekürzt. Die Bundesrepublik habe bis Juni 2015 eine Quotenregelung abgelehnt. Brok: „Es lassen sich nicht alle Probleme bei der EU abladen.“

Der politische Korrespondent Reinhard Brockmann wies den CDU-Politiker „mit ungebrochenem Glauben an Europa“ auf Strömungen wie in Großbritannien hin, mit dem Ziel, die Europäische Union zu verlassen. Brok: „Wenn wir in Deutschland die glücklichste Generation seit Hermann dem Cherusker sind, hat das etwas mit dem Vereinigten Europa zu tun. Wenn Europa scheitert, ist die Grundlage unseres Lebens von heute zerstört.“ Gerade mit der Überzeugung „gemeinsam sind wir stark“ tue sich die EU zurzeit sehr schwer, hatte Landrat Sven-Georg Adenauer in einem Grußwort angemerkt.

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