Eros Ramazzotti, smarter Schmuserocker
Bild: Steinecke
Das kann er: soft rocken und seine Fans per Augenkontakt bannen. Eros Ramazzotti bei seinem Konzert im Haller Gerry-Weber-Stadion.
Bild: Steinecke

 Der 49-Jährige braucht keine lange Warmlaufphase. Männer mit Zugang zu ihrem Gefühlsleben mögen ihn, Frauen sowieso. Dabei mag man das kaum glauben, wenn er in Jeans und T-Shirt auf der Bühne steht. Wirklich groß ist er ja nicht. Eher klein mit einem leichten Rettungsring und riesigen Füßen. Sein zweiter Vorname ist Walter. Und dann bewegt er sich auch noch in einer Mischung aus Bandscheibenvorfall und Entengang. Nichts, wo man gleich „wow“ ruft.

Also, was macht den „George Clooney Italiens“ aus? Da ist erst einmal sein Dackelblick. Der zieht. Und dann natürlich die Stimme. Die hat rein gar nichts von ihrem Charme verloren. Ramazzotti hat einmal gesagt: „Ich glaube, ich könnte den größten Mist singen, und es käme dennoch an. Meine Stimme vermittelt etwas, das über den Wortsinn hinausgeht. Sie trifft das Herz.“

Stimmt – und auch wieder nicht. Eigentlich kommt Ramazzotti eher nasal mit einem schnarrenden Begleitton daher. Allerdings hat er es immer verstanden, schöne Melodien zu schreiben und die Stücke perfekt für seinen Stimmumfang zu arrangieren. „L’Aurora“, Piu“, Bella Cosa“, „Dove C‘E Musica“, „Se bastasse una canzone“, „Cose della Vita“ oder „Musica E‘“. Selbstläufer, bei denen das Herz aufgeht und die einen mitnehmen. Klassiker, die in Halle ebenso funktionieren wie auf einer Autofahrt. Es darf mitgesungen werden und darum ließen sich die Fans nicht zweimal bitten.

 Allerdings: Mitsehen war teilweise nicht möglich. Die seitlich sitzenden Zuschauer schauten auf den höher gelegenen Rängen oft ins Schwarze. Traversen behinderten den Blick auf die mächtige Bühne. Und wenn sich Ramazzotti ans Mikrofon stellte, dann verschwand der kleine, große Italiener vollständig hinter den seitlich montierten Lautsprechern. Da wurde der Hörgenuss dann von einem halsverrenkenden Blick auf die Monitore begleitet.

Auch bei seinem neuen Album „Noi“ geht Ramazzotti keine Experimente ein. Er bleibt sich treu. Singt von Träumen, Schicksalen und Emotionen. 14 autobiografisch geprägte Balladen. „Un Angelo Disteso Al Sole“ ist die Singleauskopplung. „Io Sono Te“ und „Questa Nostra Stagione“ hat er im Gepäck. Gut zwei Stunden dolce vita und bella Italia. So wie wir es sehen wollen – ohne Probleme und unkompliziert. Ein Kurzurlaub in die italienischer Lebensart.

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