Fahne als Friedenssymbol „ist unhaltbar“
Oliver Nickel hält eine Abnahme des Kreuzes zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall für verfrüht.

Seither war der Förderverein verstärkt ins Visier des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock geraten, der die Rückkehr der Sowjetfahne betreib. Jetzt wehrt sich Oliver Nickel, der Leiter Dokumentationsstätte. Er moniert Aussagen des Arbeitskreis-Vorsitzenden Hubert Kniesburges, nach denen er, Nickel, die Geschichte umdeuten wolle.

Er interpretiere das als Versuch, „mich als Leiter der Dokumentationsstätte und als Historiker öffentlich zu diskreditieren“, schreibt Nickel. Zur Sache betont er, dass es angesichts „zu vieler Widersprüche und offener Fragen“ verfrüht sei, die Wiederanbringung der roten Fahne durchzuziehen.

Nickel empfiehlt, „sachlich über dieses sensible Thema“ zu diskutieren und auch diejenigen zu einem Gespräch einzuladen, „die bisher aufgrund ihrer kritischen Position oder aus anderen Gründen unerwünscht waren.“ Es sei ihm absolut unverständlich, „dass die Toten und Überlebenden oftmals als homogene politische, religiöse und soziale Gruppe“ angesehen würden.

Weiter betont der Historiker mit Blick auf die rote Fahne: „Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen zum Beispiel mit Besuchern aus Russland ist die Ansicht, die Menschen in Russland sehen dieses Symbol auch als Friedenszeichen, unhaltbar.“ Nickel: „Ich betone noch einmal, dass die Inschrift am Obelisken insofern falsch ist, als dass nicht russische Soldaten auf dem Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter liegen, sondern sowjetische Armeeangehörige. Demnach wäre es interessant, auch Menschen aus den souveränen Nachfolgestaaten des Sowjetunion hinsichtlich des ,Friedenssymbols‘ zu befragen.“

Nach Nickels Auffassung sollte sich niemand anmaßen, „im Namen aller Toten und Überlebenden zu sprechen“. Der Historiker berichtet von Botschaftsvertretern aus ehemaligen Ländern der Sowjetunion, die angekündigt hätten, nie wieder einen Fuß auf den Senner Friedhof zu setzen, sollte die rote Fahne wiedererrichtet werden.

Russische Journalisten hätten sich in der Dokumentationsstätte erstaunt und amüsiert darüber gezeigt, dass in Deutschland überhaupt über die erneute Anbringung der Fahne diskutiert werde. Mit Blick auf den Plan, die Abnahme des Kreuzes durch das Aufstellen von drei Kreuzen zu kompensieren, vermisst Oliver Nickel weiter eine plausible Begründung für diese Lösung.

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