Fledermäuse bevorzugen Eichen
Bewertung der Fledermaus-Bäume in Raum Borgholzhausen: (v. l.) Revierförsterin Gabriele Lindemann, Eberhard Beckemeyer vom Kreis Gütersloh, Biologin Ina Neubauer, Forstdirektor Ulrich Lammert, Wilhelm Gröver (Leiter der Abteilung Umwelt beim Kreis) und der Biologe Roland Heuser

Im vorigen Jahr war, wie berichtet, die Kolonie mit 31 Bechsteinfledermäusen samt Jungen nahe der Trasse der geplanten Autobahn 33 entdeckt worden. Für weitere Planungen ist es wichtig zu wissen, wie groß der Aktionsraum der Tiere ist und wo ihre Höhlenbäume stehen? 50 von ihnen sollen nämlich für die Zukunft gesichert werden.

Der Biologe Roland Heuser vom Büro FÖA Landschaftsplanung aus Trier hat die Bäume mit seiner Kollegin, Biologin Ina Neubauer, gefunden und markiert. Sie werden nun vom Regionalforstamt OWL bewertet. Jeder Besitzer, der seine Fledermausbäume stehen lässt, erhält seinen wirtschaftlichen Verlust ersetzt. Die Verhandlungen führt die Abteilung Umwelt des Kreises Gütersloh. Die Gespräche mit den Waldbesitzern bezeichnet Abteilungsleiter Wilhelm Gröver als „durchweg konstruktiv“.

„Fledermäuse bevorzugen Eichen, Buchen nehmen sie seltener“, erläutert Heuser die Auswahl. Schon die Rinde komme den Tieren entgegen, biete mehr Halt. Der typische Bechsteinfledermaus-Baum ist eine Eiche mit Astlöchern. Heuser: „Die faulen mit der Zeit aus, und manchmal bearbeitet der Specht sie noch.“

Tiere ziehen alle paar Tage um

Fledermäuse lieben Höhlen, die hinter dem Eingang nach oben gehen. Das geht aber nur, wenn der Baum innerlich fault. „Wir haben schon mal eine 2,50 Meter hohe Höhle mit 400 Abendseglern gefunden. Die Eiche hält so etwas im Gegensatz zur Buche aus.“

Revierförsterin Gabriele Lindemann und Forstdirektor Ulrich Lammert messen den Durchmesser und die Höhe der Bäume. Die Biologen haben nicht nur solche Bäume ausgesucht, in denen bereits bewohnte Höhlen sind, sondern auch künftige Fledermaus-Quartiere. „Wichtig ist, dass viele geeignete Bäume auf engem Raum zur Verfügung stehen“, erklärt der Experte aus Trier. Denn die Tiere ziehen regelmäßig um.

Alle paar Tage wechseln sie den Unterschlupf mit dem Nachwuchs. 30 bis 50 Bäume werden reihum im Jahresverlauf bewohnt. Wo sie stehen, erkennt der Biologe Heuser nicht nur von außen, er weiß es. Die Forscher haben nachts mit feinmaschigen Netzen Fledermäuse gefangen und mit einem 0,3 Gramm schweren Sender versehen. Heuser: „Nur so können wir die genutzten Baumhöhlen finden und nachweisen.“ Im vorigen Jahr haben Roland Heuser und Ina Neubauer sechs Bechsteinfledermäuse telemetriert, in diesem Jahr bislang vier weitere. „Das ist immerhin fast ein Drittel der Kolonie“, zieht der Biologe Bilanz.

SOCIAL BOOKMARKS