Frauenberatungsstelle zieht Bilanz
Bild: Walkusch
Wollen Frauen und besonders Mädchen stärken, um vorbeugend gegen sexualisierte Gewalt zu wirken: (v. l.) Brigitte Weier, Miriam Wolfförster und Karen Neumeyer.
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Es ist ein unscheinbarer Eingang, der zur Frauenberatungsstelle an der Münsterstraße 17 in Gütersloh führt. Ganz bewusst wurde auf große Schilder und Aushänge verzichtet. Es soll nicht auffallen, wenn eine Frau das Mehrfamilienhaus, in dem auch Geschäfte und andere Beratungsstellen untergebracht sind, betritt.

204 Mädchen und Frauen beraten

204 Mädchen und Frauen haben dort im vergangenen Jahr Hilfe gesucht. 38 Prozent von ihnen waren Opfer sexueller Gewalt. „Die Hälfte von ihnen hat das schon in der Kindheit erlebt“, sagt Brigitte Weier. In 85 Prozent der Fälle stammt der Gewalttäter aus dem sozialen Umfeld der Opfer.

Die Besucherinnen der Beratungsstelle kommen aus unterschiedlichen Milieus. Meist seien die Frauen zwischen 40 und 50 Jahren alt. „Wir hoffen, dass sich demnächst Jüngere bei uns melden“, sagt Weier.

Ein Mittel, mit dem die Mitarbeiterinnen das erreichen wollen, ist das Mut-mach-Mobil. „Der Kreis Gütersloh ist sehr groß“, sagt Miriam Wolfförster. „Besonders Mädchen haben oftmals nicht die Möglichkeit, nach Gütersloh zu kommen.“

Zum einen finden bereits Workshops in Schulen statt. Die Beratungsstelle hat sich dabei vor allem auf Neuntklässlerinnen konzentriert. „Das scheint, ein gutes Alter zu sein“, sagt Wolfförster.

Missbrauch in der digitalen Welt nimmt zu

Ein Thema, das immer größer wird, ist der Missbrauch in der digitalen Welt. Besonders Mädchen hätten damit Erfahrungen gemacht, so die Beraterin. Das Mut-mach-Mobil sei dazu da, um sich den Frauen und Mädchen vorzustellen.

Die Frauenberatungsstelle an der Münsterstraße 17 in Gütersloh ist montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr und freitags von 9 bis 14.30 Uhr unter  05241/25021 erreichbar. Offene Sprechstunden gibt es dienstags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 17 bis 19 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr.
Geplant ist laut Wolfförster auch, mobile Beratungen anzubieten. Wie genau das funktionieren kann, wird derzeit noch geschaut. Schließlich sollen sich Opfer in einem geschützten Rahmen Hilfe holen können, ohne Angst haben zu müssen, dass sie jemand sieht. Der Start ist für nach den Sommerferien anvisiert.

Das Mut-mach-Mobil soll dabei nicht in Konkurrenz mit anderen Hilfsorganisationen stehen. „Wir tauschen uns auf Kreisebene aus“, sagt Wolfförster. Gemeinsam habe man geschaut, in welcher Kommune es welche Angebote bereits gebe und an welche Zielgruppe sie gerichtet seien.

Da sich die Beratungsstelle speziell auf Frauen und Mädchen spezialisiert habe, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden seien, verstehe man sich eher als Ergänzung, denn als Konkurrenz.

Austausch im Team hilft Mitarbeiterinnen

Die Geschichten, die die Frauen in der Beratungsstelle erzählen, gehen auch den Mitarbeiterinnen an die Nieren. „Früher habe ich das mit nach Hause genommen“, sagt Brigitte Weier. Mittlerweile funktioniere sie eher wie ein Resonanzkörper, der die Emotionen zurückgebe. „Wenn das nicht klappt, wird die Arbeit anstrengend“, sagt die Beraterin.

„Hilfreich ist es, dass wir ein gut funktionierendes Team sind“, sagt Karen Neumeyer, die seit Kurzem in der Beratungsstelle tätig ist. Unter Bewahrung der Schweigepflicht könne man sich darüber austauschen, was einen selbst belaste.

Wie lange die Frauen dort betreut werden, ist unterschiedlich. Es können einmalige Termine oder auch Gesprächsreihen sein. Am längsten sind häufig die Frauen mit der Beratungsstelle verbunden, die von ihr beim Prozess gegen den Täter begleitet werden. Sieben Gerichtsverfahren haben die Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr begleitet.

Opfer haben ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen

Bei manchen Opfern liegt der Missbrauch auch schon mehrere Jahre zurück – besonders bei denen, die als Kinder sexualisierte Gewalt erfahren haben. Und damit hätten die Opfer meist ihr Leben lang zu kämpfen, sagt Brigitte Weier.

Was in Lügde passiert sei, sei grauenhaft und schrecklich – und leider kein Einzelfall. „Wir haben auch Opfer hier, die missbraucht und dabei gefilmt wurden“, sagt sie. Das Erlebte sei so schwer zu überwinden, dass viele Frauen an Depressionen, Angstzuständen, Wutausbrüchen oder sogar an Spaltungen der Persönlichkeit litten.

Wichtig sei auch die Verurteilung der Täter. „Deswegen hoffe ich sehr, dass der Fall in Lügde ohne Schonung bis ins Letzte aufgeklärt wird“, sagt die Beraterin.

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