Gedankenvolle Wandler zwischen den Welten
Bilder zwischen Traum und Wirklichkeit zeigt der mongolische Künstler Gan-Erdene Tsend ab 20. Oktober in der Wiedenbrücker Galerie Hoffmann.

Ein visuelles Vertigo: zu sehen ab Sonntag, 20. Oktober,  in der Rheda-Wiedenbrücker Galerie Hoffmann, Lange Straße 50. Um 15 Uhr wird dort die Ausstellung „On The Move“ mit Werken dreier mongolischer Künstler eröffnet.

Professor Narangelrel Tsendsuren, beschwört zum Teil mit überraschender Farbigkeit die Weite heimatlicher Steppen herauf, die Schönheit einer Landschaft, die gegen das Verlassen seiner Bewohner kämpft. Gemalte Reminiszenz an ein verloren gehendes Lebensgefühl.

 Holz ist das Lieblingsmaterial der Bildhauerin Namuun Batmunkh. Sie sägt und schleift, schichtet und formt. In Wiedenbrück ist sie mit zwei Installationen vertreten. Sowohl ihr ins Überdimensionale übertragene Geschicklichkeitsspiel – sechs ineinander verzahnte Teile, die aus 150 Stücken zusammengesetzt sind – als auch 50 kleine, eigens gefertigte Stühle, die sich gen Decke türmen, offenbaren die klugen Gedankenspiele der Mongolin. Es darf nachgedacht werden über die Symbolik solcher Hochstapelei westlicher Provenienz. Und damit nicht genug: In Hartfaser gegossene Buchstaben sind erst im Spiegel als deutsche Übersetzung eines mongolischen Gedichts zu entziffern. Wer fremde Welten begreifen will, muss sich anstrengen. Bathmunkh weiß das. Der Besucher jetzt auch.

Gan-Erdene Tsend (34) stammt aus dem mongolischen Murun. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er bei den Großeltern am Rand der Wüste Gobi. Er studierte Kunst zunächst in Ulaanbaatar, dank eines Stipendiums ab 2003 an der Kunstakademie in Münster. 2007 wurde Tsend Meisterschüler von Professor Hermann-Josef Kuhna. Erste überregionale Wertschätzung erfuhr er mit dem Herner Kunstpreis für Junge Kunst (2006). Es folgten Ausstellungen im In- und Ausland. 2012 wurde ihm der renommierte Kunstpreis Wesseling zugesprochen.
 Bliebe noch die Malerei ihres Mannes, Gan-Erdene Tsend. In seinen großformatigen kontemplativ anmutenden Landschaften bündelt er seine Erinnerungen. Bilder, die ihm spirituelle Heimat und Energielieferant zugleich sind. Als Wandler zwischen den Welten mischt er aber neuerdings Versatzstücke aus Ost und West zu fast surrealen Arrangements. Und so steht ein Nordsee-Wachtturm in der Steppe und vier kleine Mongolen reiten am Meeresstrand. Das Fremde im Vertrauten entdecken – und umgekehrt. Begegnungen der besonderen Art.

 Die liefert auch Tsends preisgekrönte Serie „Spiegelungen“. Erzählen sie vordergründig melancholische Geschichten von der Einsamkeit des Individuums, so gedeiht die meisterhafte Malerei durch unterschiedliche Raum- und Zeitebenen zur Metapher menschlichen Daseins schlechthin. Im Spiegel seiner Gedanken erkennt der Mensch sich selbst, heißt es in der Bibel – in der Galerie Hoffmann bis zum 1. Dezember, dienstags bis samstags von 14.30 bis 18 Uhr.

Den kompletten Bericht lesen Sie in der „Glocke“ vm 19./20. Oktober

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