Gedenkstätte Stalag droht die Schließung
Bild: Mickley
Bangen um die Zukunft des Fördervereins Dokumentationsstätte Stalag 326: (v. l.) der Ehrenvorsitzende Werner Busch, Beisitzer Manfred Büngener und der Vorsitzende Oliver Nickel.
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„Mit der Renovierung des ehemaligen Arrestgebäudes, das die Ausstellung beherbergt, sowie der Errichtung der neuen pädagogischen Räumlichkeiten in der damaligen Entlausungsanstalt haben die Mitarbeiter dank Stiftungsgeldern und privater Sponsoren eine wertvolle Erinnerungskultur geschaffen.“ Engagiert setzt sich der Verein dafür ein, an die erschreckend große Anzahl derer zu erinnern, die das Kriegsgefangenenlager in den Jahren 1941 bis 45 nicht überlebten, weil sie den Hungertod starben oder Seuchen und Krankheiten zum Opfer fielen.

Eigentlich sollte das 20-jährige Bestehen des Fördervereins ein Grund zum Feiern sein, doch die Mitglieder blicken sorgenvoll in die Zukunft. „Ohne Personal und ohne dauerhafte Förderung müssen wir die Dokumentationsstätte schließen“, sagt Oliver Nickel. Er findet deutliche Worte für das drohende Aus: Wegen der unsicheren sei auch der geplante Aufbau einer neuen Ausstellung in weite Ferne gerückt.

Um die pädagogische Arbeit sowie die Betreuung von Angehörigen und die Identifizierung der auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof begrabenen Kriegstoten fortsetzen zu können, habe man sich intensiv um die Bewilligung einer halben Stelle bemüht, sagte Manfred Büngener, Beisitzer und Pressesprecher des Vereins. Diese sei aus befristeten jährlichen Zuschüssen seitens der Stadt und des Kreises nicht zu finanzieren.

Diesbezüglich hat er sich mit einem Brief an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, gewandt. Die Arbeit der Dokumentationsstätte finde inzwischen große Anerkennung. Der Ort, an dem man der Toten gedenkt, habe mittlerweile ein neues Image bekommen. In mittlerweile offenen Archiven in Moskau, Paris und London lagern Unmengen an Daten bisher unbekannter Kriegstoter. Dieser wertvolle Fundus dürfe nicht verloren gehen, mahnte Büngener.

„Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter erbringen jährlich 1500 Stunden an unentgeltlicher Arbeit. Wir können das ehrenamtlich nicht mehr leisten“, bekräftigte Oliver Nickel. Seit dem Jahr 2006 engagieren sich die Mitglieder der Dokumentationsstätte ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis. Zuvor hatte Christian Mühldorfer-Vogt von 1996 und 1997 eine Beschäftigung im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) inne. Mit einer halben Stelle war Reinhard Otto von 1996 bis 2006 beschäftigt.

Gegen erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung und trotz bürokratischer Hürden hatten die Gründungsmitglieder Werner Busch, Dr. Reinhard Otto und Friedrich Dransfeld die Genehmigung zur Vereinsgründung 1993 erreicht. Unterstützt wurden sie unter anderem von Hans Wölke, Elisabeth Müller-Belighoff, Helga Hoener, Pfarrer Wolfgang Braun und Wolfgang Wrobel. Polizeidirektor Manfred Sparrer hatte das seinerzeit verfallene ehemalige Arrestgebäude zur Verfügung gestellt. 1993 wurde Volker Schockenhoff Vorsitzender des Vereins. Werner Busch übernahm im Jahr 1995 den Vorsitz. Im Jahr 2008 tritt Historiker Oliver Nickel seine Nachfolge an.

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