Gedenkstätte soll Ende 2025 starten
Ende des Jahres 2025 könnte die neue nationale Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock eröffnet werden. Über diesen Zeitpunkt informierten Teilnehmer einer Online-Konferenz.

Zum Schluss einer ganztätigen digitalen Konferenz der regionalen Arbeitsgruppe Ostwestfalen-Lippe gegen das Vergessen und für Demokratie erläuterte der Politiker, es komme ihm darauf an, auf einer Fläche von insgesamt sechs Hektar Geschichte ganzheitlich zu entwickeln: 1941 bis 1945 vornehmlich russisches Kriegsgefangenenlager, danach Internierungslager bis 1949. 1946 bis 1973 wurde die Anlage auch zu Unterbringung von Flüchtlingen und 2015 als Erstaufnahmelager für Asylsuchende genutzt.

Ehrenfriedhof einbeziehen

Wichtig scheint André Kuper, den sowjetischen Ehrenfriedhof in der Nachbarschaft einzubeziehen, auf dem 60 000 Opfer des Nationalsozialismus – umgebracht oder umgekommen – in Massengräbern verscharrt wurden. Der Landtagspräsident hob hervor, dass im Dezember 2020 die Beschlüsse über eine gemeinsame Förderung der stark digital ausgerüsteten Gedenkstätte aus Landes- und Bindemitteln in Düsseldorf einstimmig gefasst worden seien.

Eröffnung in 2025 realistisch

Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe hält eine Eröffnung der Gedenkstätte Ende 2025 für realistisch. Der Kostenrahmen bewegt sich einschließlich Mehrwertsteuer um 60 Millionen Euro bei jährlichen Folgekosten von 5,6 Millionen Euro. Als nächstes folgt ein Architektenwettbewerb, wobei die Architektur dienenden Charakter übernehme, erläutert die Landesrätin. Neu gebaut werde auf jeden Fall ein Besucherzentrum mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche. Auf einer großen Karte am Boden soll der Besucher den Weg der Häftlinge nachvollziehen. Dr. Rüschoff-Parzinger legt großen Wert auf eine Einbeziehung der Umgebung. Dazu gehören außer dem Friedhof auch der Bahnhof Hövelhof, auf dem die Gefangenen ankamen, und der sogenannte Russenpatt.

Mehr Bedeutung für Gedenkorte

An der Konferenz nahm auch eine Vertreterin der russischen Botschaft teil. Kirsten John-Stucke, die das Kreismuseum Paderborn auf der Wewelsburg leitet, dem das Konzentrationslager Niederhagen benachbart war, unterstrich, dass Gedenkorten selbst mehr Bedeutung zukomme, seitdem Zeitzeugen verstummt seien, die aus eigenem Erleben hätten berichten könnten. Auf die Anmerkung der Kunsthistorikerin Rosa Rosinski, die Emotionalität klinge ein halbes Jahr nach dem Besuch der Gedenkstätte ab, meinte Dr. Olaf Pingel von der Regionalen Arbeitsgruppe gegen Vergessen: „Gedenkstätten sind kein Impfstoff. Wir befinden uns auf den Weg der Pädagogik.“ Er kam zu der Erkenntnis, dass die Vernichtungsmaschinerie im Dritten Reich einen Querschnitt der deutschen Bevölkerung darstelle. Wenn die umgebende Moral sich verändert habe, nutze persönliche Moral nichts mehr, begründete der Redner.

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