Glitter-Flitter-Show zum Small-Stars-Jubiläum
Bild: Pieper
In Ehren ergraut, aber nach wie vor Rockmusiker mit großer Leidenschaft: Micky Meinert (links) und Steve Haggerty freuen sich auf die Konzerte der Small Stars zu deren 25-jährigem Bestehen zwischen den Jahren in der Gütersloher Weberei.
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Sechs Konzerte zwischen den Jahren gibt es  in der Weberei. Wer dabei sein will, muss sich sputen. Es gibt nur noch wenige Restplätze für den Eröffnungsabend am zweiten Weihnachtsfeiertag und ein paar Stehplätze fürs Konzert am 30. Dezember. Alles andere ist ausverkauft.

Gefälligkeitskonzert wird zur Tradition

„Läuft“, freut sich Band-Mitbegründer Meinert, und Small-Stars-Urgestein Steve Haggerty nickt zufrieden. Dass sie seit einem Vierteljahrhundert alljährlich das Kesselhaus im Bürgerkiez füllen, hätten sie sich 1994, als sie aus reiner Gefälligkeit erstmals für ein Benefizkonzert für die damals fast insolvente Weberei zusammenkamen, auch nicht gedacht. „Wir haben gespielt, was uns in den Kopf kam, Welcher Song? Welche Tonart? Okay, ab auf die Bühne und los.“, erinnert sich Micky Meinert. „Heute wird ordentlich geprobt und genau überlegt, was wir wann spielen. Mit welchem Song welche Vorliebe vom welchem Musiker bedient wird und ob alles gut zusammenpasst.“ Schließlich sind im Lauf der Zeit die Ansprüche gestiegen. Die vom Publikum, aber auch die der Musiker selbst.

„Nach Hause kommen“

Übers Jahr sind sie einzeln oft weltweit unterwegs. Nur zu Weihnachten spielen sie gemeinsam in der Weberei auf. „Das ist wie nach Hause zu kommen“, gesteht Meinert, der als „Saitenspringer“ sowohl Otto Waalkes als auch die korsische Band „I Muvrini“ begleitet, und gerade eine fünfwöchige Asientournee beendet hat.

Wahnsinns-Leidenschaft, Rock-Klassiker zu singen und zu spielen

Keyboarder Achim Meyer, Initiator und Kopf der Small Stars und ganz nebenbei langjähriger Tourbegleiter von Hitgaranten wie Helene Fischer oder Howard Carpendale, war bis gestern noch für eine Produktion in Paris. „Für jeden Sänger ist Achims beseelte Tastenbegleitung ein echter Traum“, lobt Steve Haggerty. Was sie als Smalls Stars alle eint, ist „die Wahnsinns-Leidenschaft, Rock-Klassiker pur zu singen und zu spielen“, sagt Meinert.

Jeder einzelne ein Spezialist

Jeder aus der Stammbesetzung ist dabei ein Spezialist. Steve Haggerty gibt mit bärbeißiger Soul-Stimme den Joe Cocker. Gerry Spooner ist der Mann für den Blues. Athanasios „Zacky“ Tsoukas am Schlagzeug wird seinen Auftritt diesmal als Donnergott zelebrieren. Roland Schal ist für die „sexy Sax-Soli“ zuständig. Harry Schuler ist der Mann am Bass. Und Andrew Gläser singt so, dass nicht nur John Miles legendäres „Music was my first love and it will be my last“ als Manifest der Smalls Stars verstanden werden kann.

Jedes Jahr eine Besonderheit

Sie haben sich in all den Jahren immer viel einfallen lassen auf ihrem „Highway to hell“. Unvergessen sind ihre Motto-Shows zu „Dinner for one“ oder mit den Figuren Statler und Waldorf aus der Muppetshow. Und spektakulär war auch ihr Auftritt 2011, als sie als Knastbrüder direkt aus einem eigens gedrehten „Tatort-Krimi“ auf die Bühne traten. „Das haben wir gemacht, weil uns im Vorjahr ein Kritiker in Grund und Boden geschrieben hatte. Wir haben uns deshalb wegen unserer angeblich schlechten Leistungen freiwillig ins Gefängnis begeben und sind filmreif wieder ausgebrochen“, erzählt Micky Meinert lachend. Mit Kritik umgehen können die Small Stars schon – „aber fair muss sie sein.“

Am liebsten auf der Bühne sterben

Weit mehr als 100 Rock-Klassiker haben sie im Repertoire und diese im Lauf der Jahre vor mehr als 20 000 Zuschauern mit immer neuen Gastmusikern und Weggefährten zelebriert. Einige von ihnen wie Drummer Fred Brachmann, Multiinstrumentalist und „Locomotive Breath“-Sänger Volker Wilmking oder Jerry Hovell gibt es nicht mehr. „Das macht einen nicht nur traurig“, schlägt Steve Haggerty ernstere Töne an, „das gibt einem auch zu denken“, sagt der mit 73 Jahren Bandälteste. Und er ist nicht der Einzige, der eine 7 oder 6 vorn mit sich herumträgt. „Als Rockmusiker möchte man auf der Bühne sterben, am liebsten mitten in einem Song“, bekennt er ganz lakonisch – ohne das abgegriffene Rocklegenden-Klischee bedienen zu wollen. „With a little help of my friends“ wird’s schon klappen.

Vielleicht gibt es eine Fortsetzung

„Klar machen wir uns Gedanken über die Zukunft der Small Stars“, gibt auch Micky Meinert zu. Ob das Silberjubiläum die Abschiedsvorstellung der Kultband beinhalten wird, lässt er offen. Denn da gibt es ja auch noch die Idee, 2020-mal junge Musiker aus der heimischen Szene mit einzubinden. Small Stars forever.

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