Grüner Strom für alle - ohne Mehrkosten
Bild: Neitemeier
Die Gemeindewerke Steinhagen wollen mit grünem Strom für alle als regionaler Versorger neue Maßstäbe setzen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten; links Vertriebsleiter Sascha Drewel, daneben Prokurist Stefan Lütgemeier.
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Prokurist Stefan Lütgemeier erklärt nicht ohne Stolz: „Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz. Wir wollen ein Zeichen setzen und Vorbild sein.“

24 Cent muss der normale Haushaltskunde in diesem Jahr bei den Gemeindewerken für eine Kilowattstunde des jetzt grünen Stroms bezahlen. Dieser „im Vergleich sehr günstige Tarif“ wird laut Vertriebsleiter Sascha Drewel auch 2012 Bestand haben. Es sei denn, der Staat hebt die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu zahlende Abgabe (derzeit 3,53 Cent pro Kilowattstunde) weiter an.

Zuletzt hatte die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Steinhagen den Strompreis eben wegen des gestiegenen EEG-Aufschlags zum 1. Januar 2011 erhöht. Im vorigen Jahr zahlte ein Haushaltskunde auch dank einer Rückvergütung von 0,9 Cent rund 21,4 Cent pro Kilowattstunde.

Außer der umweltpolitischen Verantwortung sind laut Lütgemeier eine effektive Kostenstruktur, gute Einkaufskonditionen und eine solide Geschäftslage die Gründe dafür, dass alle Stromkunden rückwirkend zum 1. Januar und vermutlich bis Ende 2012 ohne Aufschlag mit grüner Energie beliefert werden können.

Acht Millionen Kilowattstunden selbst erzeugt

Der Strom, der aus der Steckdose komme, ändere sich physikalisch natürlich nicht, so der Prokurist. „Aber mit dem Geld, das wir für das grüne TÜV-Zertifikat zusätzlich ausgeben, werden neue Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien gebaut.“ Nur so könne der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie gelingen und das Ziel, 2050 zwischen 80 und 100 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Quellen zu decken, erreicht werden. Lütgemeier: „An dieser Herausforderung beteiligen wir uns.“

Grünen Strom bieten die Steinhagener bereits seit 2008 an. Jede Kilowattstunde kostet 1,07 Cent mehr als die „normale Energie“ – ein Zuschlag, der rückwirkend zum Jahresbeginn wegfällt. Von den bisher 174 Öko-Stromkunden (1,7 Prozent) sind laut Sascha Drewel rund 70 Privatpersonen. Stark engagiert ist die Gemeinde mit ihren Einrichtungen. Auch mengenmäßig falle der grüne Strom mit einem Anteil von fünf Prozent an der gesamten Liefermenge (2011: knapp 60 000 Kilowattstunden) kaum ins Gewicht.

Den meisten Strom beziehen die Steinhagener von den Stadtwerken Bielefeld. Acht Millionen Kilowattstunden oder 13 Prozent haben sie 2010 in einer mit Erdgas betriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage selbst erzeugt.

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