Günstige Mietwohnungen sind Mangelware
Bild: Reckeweg
Fordern mehr bezahlbare Mietwohnungen im Kreis Gütersloh: (v. l.) Volker Brüggenjürgen (Caritas), Günter Göpfert (Deutsches Rotes Kreuz), Björn Neßler (Diakonie) und Ulrike Boden (Awo).
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Die freien Wohlfahrtsverbände fordern, dass diese Grenzen auf ihre Angemessenheit geprüft und dass mehr günstige Baugrundstücke für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt werden.

 „Jeder dritte Haushalt im Kreis ist bei der Miete mittlerweile auf finanzielle Hilfe angewiesen“, betont Brüggenjürgen. Das seien 40 000 Personen, erläutert Ulrike Boden, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbands. „Und das in einem der wohlhabendsten Kreise im Land.“ Die Politik tue nichts für den sozialen Wohnungsausbau, klagt Brüggenjürgen. Obwohl dringend benötigt, würden die Wohnungsbaugesellschaften aktuell nahezu keine günstigen Mietobjekte schaffen. „Eine Wohnung ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht – und Voraussetzung für ein geregeltes Leben“, empört sich Brüggenjürgen.

 Besonders betroffen seien nicht nur Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch Personen mit Behinderung, psychisch kranke und obdachlose Menschen. Ebenso Familien und Alleinerziehende mit Kindern. „In unsere Beratungsstelle kamen 2014 rund 500 Menschen, vor allem junge Schwangere und Geschiedene“, berichtet Diakonie-Vorstandsmitglied Björn Neßler. Der Beratungsbedarf sei allein in Gütersloh um 15 Prozent gestiegen. „In ihrer Not suchen die Menschen Unterkunft im Obdachlosenheim, ziehen zu Freunden oder selbst im Erwachsenenalter notgedrungen wieder zu ihren Eltern.“

Brüggenjürgen sieht noch weitere Konsequenzen: „Ohne Wohnung haben die Betroffenen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Wir verbreiten damit soziale Perspektivlosigkeit.“ Die Mietpreisobergrenzen spielen dabei eine zentrale Rolle: Denn das Jobcenter setzt das maximale Budget für eine Wohnung fest. Zu günstigen Preisen gebe es aber kaum geeigneten Wohnraum. Nehme jemand notgedrungen eine teurere Wohnung, um nicht auf der Straße zu sitzen, werde ihm vom Jobcenter unwirtschaftliches Verhalten vorgeworfen. „Damit bestraft man die Betroffenen doppelt, weil sie nicht nur den selbst zu tragenden Mietanteil von ihren Lebenshaltungskosten abzwacken müssen, sondern auch keinen Kredit für die Kaution bekommen“, erklärt Brüggenjürgen.

 Für die Wohnungsbaugesellschaften lohne sich der soziale Wohnungsbau derzeit nicht, weil die Grundstücke zu teuer sind. Soll sich der Bau rechnen, müssten höhere Mieten verlangt werden. Dabei würden allein in Gütersloh rund 3000 günstige Wohnungen benötigt, schätzt Boden. Viele Suchende müssten daher abgewiesen oder auf Wartelisten gesetzt werden, was vor allem für Familien ein Problem sei. „Der Mangel ist nicht sichtbar, die Leute campen ja nicht auf dem Marktplatz“, sagt Brüggenjürgen. Der soziale Wohnungsbau habe eben keine Lobby.

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