Günter Brüning ordnet das Karton-Chaos
Archivar Günter Brüning hat beim Kreis Gütersloh Pionierarbeit geleistet. Jetzt ist er im Ruhestand.

Günter Brüning studierte Geschichte und Theologie in Münster. Schon damals wurde seine Leidenschaft für Archive, alte Bücher und Akten geweckt. Während des Studiums arbeitete er im Bistumsarchiv Münster. Nach Promotion und Referendarzeit kam Günter Brüning 1984 zum Kreis Gütersloh. Damals gab es noch kein Archiv.

„Aus der Theorie heraus war es ein mächtiger Praxisschock“, erklärt Brüning. In den Kellern und auf den Dachböden suchte er alles „von Beamten Beschriebene“, von 1815 bis 1984 zusammen. Anfangs arbeitete er noch im Keller des ehemaligen Kreisständehauses in Rheda-Wiedenbrück. Er sorgte dafür, dass ein Magazin mit Regalen und eine Archivwerkstatt eingerichtet wurden, und leistete Pionierarbeit.

Bei der Zusammenführung der Altregistraturen der Kreise Halle und Wiedenbrück wurde so manche Kuriosität entdeckt, wie die Akte zur Durchführung des Ziegenbockhaltungsgesetzes. Besonders in Erinnerung blieben Brüning die beiden Umzüge des Archivs.

„38 Jahre im Altpapier“

1997 zog das Kreisarchiv in das Kreishaus auf dem Reckenberg in Rheda-Wiedenbrück. Bei dem Umzug lief einiges schief. „Keiner konnte ahnen, dass einer der Mitarbeiter der Umzugsfirma Analphabet war. Viele der vorher ausführlich beschrifteten Akten wurden falsch einsortiert“, erzählt Brüning. Und beim zweiten Umzug im Jahr 2007 in das „Haus des Bauern“ an der Bielefelder Straße brach bei einem der Umzugswagen eine Achse.

Brüning hat gern im Kreisarchiv gearbeitet, „das Verhältnis zu den Kollegen war immer überragend“. Während dieser Zeit war er vier Jahre Sprecher der Kreisarchivare auf Landesebene, hat den Ausbilderschein erworben, drei Auszubildende und dutzende Praktikanten begleitet. Auch die vielen Besucher – Schüler, Staatsarbeiter, Heimatforscher oder sonstige Interessenten – haben ihm stets Freude bereitet.

Je näher der letzte Arbeitstag kam, desto wehmütiger ist Günter Brüning geworden. „Damit habe ich nicht gerechnet, ist schon seltsam“. Aber immerhin war er „38 Jahre lang im Altpapier“, stellt der Kreisarchivar mit einem leichten Schmunzeln fest.

Brüning lebt seit einigen Jahren in einem alten Siedlerhaus in Wadersloh im Nachbarkreis Warendorf. Das, der große Garten, die Familie und die beiden Schweine werden seine neuen Prioritäten. „Da gibt es immer etwas zu tun“. Auch seinen anderen Hobbys, der Analyse von theologischen Texten aus dem Mittelalter sowie der Literatur, will er im Ruhestand ausgiebig nachgehe

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