Hagelschäden sorgen für Überstunden
Bild: Werneke
Eiskalt hat es viele Dächer beim Unwetter vor gut einem Monat erwischt. Handwerker sind noch immer damit beschäftigt, Hagelschäden zu reparieren, so auch Dachdeckermeister Lars Effertz. Er war an der Rietberger Straße in Wiedenbrück im Einsatz. 
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 „Weitaus schlimmer als Kyrill“ habe das jüngste Unwetter im Ortsteil Wiedenbrück zugeschlagen, sagt Georg Effertz von der gleichnamigen Bedachungs- und Gerüstbaufirma im Gespräch mit der „Glocke“. Dies meint er nicht bezogen auf die Anzahl der Schäden, die in seinem Unternehmen gemeldet wurden, sondern vielmehr hinsichtlich des Ausmaßes der Schadenshöhen. „Der Hagel hat punktuell über ganze Dachflächen verteilt Ziegel zerschlagen“, erklärt Effertz und stellt den Vergleich mit einem Sieb her. In Wiedenbrück seien alle Kirchen stark bis sehr stark von dem Unwetter betroffen gewesen, und sämtliche Schulen dort hätten Schaden genommen. „Es gibt ganz viele Wohnhäuser, bei denen die Dächer komplett erneuert werden müssen“, berichtet er über seine bisherigen Erfahrungen in Wiedenbrück. Effertz geht davon aus, dass bei dem einen oder anderen Unternehmen mehrere Millionen Euro Schaden entstanden sind. Die Naturkatastrophe ist zum üblichen Alltagsgeschäft hinzu gekommen. „Das ist ein Riesenproblem“, sagt der Experte. Viele Dachdeckerbetriebe hätten im Vorfeld Verträge mit Fertigstellungsdaten abgeschlossen. Um der Lage Herr zu werden, sei in dem Linteler Dachdeckerunternehmen personell aufgestockt worden. „Die Leute haben, soweit es ging, Überstunden gemacht“, berichtet Georg Effertz. Man sei noch bis jetzt mit Notreparaturen beschäftigt. Die Kunden müssen sich also gedulden, ihnen werde gesagt, dass die Liste „noch sehr lang ist“. Der Dachdecker muss entscheiden, wo vorrangig gehandelt werden muss. Bei neueren Dächern zum Beispiel gäbe es in der Regel Unterspannbahnen unter den Ziegeln, über die eindringendes Wasser abgeführt werde. Eine Notabdichtung zur Vermeidung von Wasserschäden kann da bei einem Altstadtgebäude schon eher pressieren. Noch heute gingen Anrufe von Leuten ein, die feststellten, dass sie einen Hagelschaden haben, berichtet Effertz.

Kloster stark betroffen

Reichlich zu tun hat auch das auf Fenster und Verglasungsarbeiten spezialisierte Wiedenbrücker Unternehmen Goldkuhle. „Uns werden nach wie vor täglich neue Fensterschäden von Kunden gemeldet, und ein Ende ist nicht in Sicht“, sagt Geschäftsführer Klaus Goldkuhle. „Manche Hagelgeschädigten kommen jetzt erst aus dem Urlaub und entdecken dann zerbrochene Fensterscheiben an ihrem Haus.“ Mindestens noch acht Wochen lang habe sein Unternehmen mit der Abarbeitung der Hagelschäden zu tun, schätzt Goldkuhle. „Und das, obwohl wir für unsere Monteure nach dem Ende des Sommerurlaubs vorübergehend die Sechs-Tage-Woche eingeführt haben.“ Manchmal ist es nur ein Dachfenster, das unter der Last der Hagelkörner zerborsten ist, in der Regel sind es aber mehrere Scheiben, die an den Immobilien der Kunden zu Bruch gegangen sind, erläutert Klaus Goldkuhle. „In manchen Fällen beträgt allein der entstandene Glasschaden 10 000 Euro und mehr.“ Besonders stark betroffen sei beispielsweise das Wiedenbrücker Franziskanerkloster, wo die tennisballgroßen Hagelkörner zahlreiche Mosaikfenster zerstörten. Trotz allem: Die erste Aufregung, die sich noch Wochen nach dem Unwetter hielt, habe sich inzwischen gelegt. „Anfangs waren die Mitarbeiter in unserer Telefonzentrale von morgens bis abends damit beschäftigt, Kundenanfragen entgegen zu nehmen. Die Lage hat sich mittlerweile deutlich entspannt.“ Susanne Pieper, die in Rheda einen Dachdeckerbetrieb führt, berichtet dagegen von nach wie vor unzähligen telefonischen Anfragen. „Wir setzen die Schadensfälle auf eine Warteliste und arbeiten alles der Reihe nach ab“, sagt sie. Dringende Fälle, beispielsweise wenn Wasser durch defekte Löcher ins Hausinnere fließt, würden vorrangig behandelt. „Helfen würde es uns jedoch, wenn Kunden auch bei längeren Wartezeiten nicht mehrfach telefonisch anfragen, wann wir endlich zur Schadensbegutachtung oder -behebung kommen“, unterstreicht Susanne Pieper. „Je mehr ich und meine Mitarbeiter uns hinters Telefon klemmen müssen, desto weniger Zeit haben wir für unsere eigentlichen Aufgaben.“ 400 Hagelaufträge hat die Firma Pieper bereits abgearbeitet, mindestens genauso viele stehen jedoch noch aus. „In den kommenden zwei bis drei Monaten haben wir also noch gut zu tun“, sagt Susanne Pieper. „Mit acht Stunden pro Tag auf dem Zeitkonto geht momentan keiner meiner Mitarbeiter nach Hause.“ Ohne die Bereitschaft der Belegschaft zu Überstunden sei es nicht möglich, alle Hagelschäden zu bearbeiten.

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