Helene Grass leitet „Wege durch das Land“
Bild: Kreyer
Soll dem Literatur- und Musikfestival „Wege durch das Land“ ein neues Konzept verpassen: Helene Grass, hier mit Schauspieler Heikko Deutschmann und Lyrikerin Marion Poschmann am 15. Mai vor der Orangerie in Rheda.
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Im Kreis Gütersloh steht im Juni die Entscheidung über eine Teilübernahme der Geldrückforderungen des Landes an. Den bislang gesperrten Jahresbeitrag von 12 000 Euro hat der Kreisausschuss am Montag freigegeben – verbunden mit deutlicher Kritik.

Wie Kreis-Sprecher Jan Focken der „Glocke“ bestätigte, tritt Helene Grass (41), die in Detmold lebt, für zunächst eine Saison die Nachfolge der im Februar zurückgetretenen künstlerischen Leiterin Brigitte Labs-Ehlert an. Mit Unterstützung von Sarah Bloch und Marlen Dettmer vom Festival-Team soll Grass ein neues Konzept für die Reihe entwickeln.

Bereits in der laufenden Saison übernimmt die Tochter des Schriftstellers Günter Grass bei drei Terminen die Einführung. So begrüßte sie bei den beiden Veranstaltungen in Rheda Mitte Mai die Gäste.

Land fordert 160.000 Euro an Fördergeldern zurück

Brigitte Labs-Ehlert hatte die Verantwortung dafür übernommen, dass Fördergelder des Landes an die gemeinnützige Gesellschaft „Wege durch das Land“ nicht richtliniengemäß verbucht worden waren. Das Land gibt für die laufende Saison nun keinen Zuschuss (zuletzt waren es 187 000 Euro) und fordert außerdem 160 000 Euro für 2010, 2011 und 2012 zurück. 20 000 Euro könnten auf den Kreis Gütersloh als einen der acht Gesellschafter entfallen. Das hat jedenfalls die Gesellschafterversammlung vorgeschlagen.

Im Kreisausschuss stimmten die Politiker am Montag zunächst einmal dafür, den Sperrvermerk für den Gesellschafterbeitrag 2016 in Höhe von 12 000 Euro aufzuheben, um das Festival nicht vor die Wand zu fahren, das in diesem Jahr wegen des gestrichenen Landeszuschusses mehr denn je auf die Beiträge und auf Sponsoren angewiesen ist. „Die ganze Angelegenheit ist unangenehm. Aber wir stehen zu unserer Verpflichtung“, sagte Heinrich Josef Sökeland (CDU). Helga Lange (Grüne) bekräftigte: „Die Veranstaltungen laufen ja schon.“

„Kein Automatismus“

Alle betonten jedoch, dass daraus keine Stimmungslage für die Entscheidung über die Finanzspritze abzuleiten sei, die im Juni ansteht. „Es gibt keinen Automatismus“, stellte Dr. Christine Disselkamp (CDU) klar. „Auch wenn die Planungen für 2017 schon begonnen haben, will ich nicht alles so weiterlaufen lassen müssen. Es muss deutlich sein, dass das nicht mehr vorkommt“, betonte sie mit Bezug auf das fehlerhafte Vergabeverfahren der Festivalleitung.

Johannes Sieweke (FWG/UWG) wollte noch weiter gehen: „Wir sollten heute einen Konsens herstellen, dass wir nicht bereit sind, Ausfallbürgschaften für Gesellschafter zu übernehmen, die sich zurückziehen.“ Sein Vorstoß versandete jedoch.

In der jüngsten Gesellschafterversammlung gab es nach Informationen der „Glocke“ keine Hinweise darauf, dass Beteiligte aussteigen wollen.

Entscheidung über Finanzspritze fällt nichtöffentlich

Die Gesellschafter von „Wege durch das Land“ sind außer dem Kreis Gütersloh die Stadt Bielefeld, der Landschaftsverband Lippe, das Literaturbüro OWL sowie die Kreise Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn. Über den Vorschlag der Gesellschafterversammlung, jeweils 20 000 Euro zusätzlich zu geben, um die Zuschussrückforderung des Landes bewältigen zu können, muss bis zum 30. Juni entschieden sein, um einen Fortbestand des Festivals zu ermöglichen.

Während der Landschaftsverband Lippe schon erklärt hat, 20 000 Euro zu übernehmen, steht der Beschluss bei den anderen Gesellschaftern noch aus. Der Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Kreises Gütersloh wird darüber am 9. Juni diskutieren – und zwar nichtöffentlich. Die Begründung: Es werde der Wirtschaftsplan vorgelegt, aus dem hervorgehe, welcher private Sponsor wie viel Geld spende. Die Sponsoren wollten jedoch zum Teil anonym bleiben. Die endgültige Entscheidung für oder gegen die Finanzspritze trifft der Kreisausschuss am 13. Juni.

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