Hilfe beim Wiedereinstieg in den Beruf
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In Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen kommen seit Beginn der Corona-Pandemie Alltagshelfer zum Einsatz. Sie sollen die Erzieher entlasten.
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Die Corona-Pandemie habe die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt, heißt es in einer Mitteilung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stünden nahezu täglich vor neuen Herausforderungen. Persönliche Vorstellungsgespräche, Praktika und Arbeitserprobungen fänden kaum noch statt. 

Schwierige Situation für Alleinerziehende

Besonders für (Allein-)Erziehende habe sich die Situation durch den Lockdown noch einmal deutlich verschärft. Das Jobcenter des Kreises Gütersloh leiste unterstützende Hilfen mit der eigens konzipierten Maßnahme „Familie und Beruf“, um die sich in Gütersloh das Weiterbildungszentrum Creos kümmere. 

„Das Beispiel zweier Frauen, die mit Hilfe der Maßnahme den Weg in den Arbeitsmarkt gefunden haben, zeigt, dass die Jobsuche auch in der Corona-Krise, lohnenswert ist“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Die Mehrfachbelastungen zwischen Kindern, Schule, Beruf und Care-Arbeit, also das Sich-Kümmern um Angehörige und Freunde, zerreiben viele Eltern – insbesondere Allerziehende“, sagt Hilde Knüwe, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters. 

Frauen besonders betroffen

Besonders betroffen seien Frauen, die diese Aufgaben häufig übernähmen. In „Familie und Beruf“ werden (Allein-)Erziehende begleitet, beraten und auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbereitet. „Wir haben unsere Arbeitsweise den aktuellen Entwicklungen angepasst. Ob digital, telefonisch oder persönlich: Wir sind für die Frauen da“, betont Eva-Maria Vahlke, projektverantwortliche Koordinatorin von Creos. 

Glück als Alltagshelferin in Kita gefunden

„Wir erleben in unserer Beratungsarbeit in der Zeit der Krise immer wieder großartige Entwicklungen.“ Eine Erfolgsgeschichte kann Iklas-Hussein Mahmed schreiben. Die 49-jährige Syrerin lebt seit 2013 mit ihrem Ehemann und sechs überwiegend erwachsenen Kindern in Deutschland. „Eine Schul- oder gar eine Berufsausbildung habe ich nicht. Aber durch die Corona-Pandemie habe ich eine Arbeit bekommen, die vom Land NRW neu geschaffen wurde.“ Als Alltagshelferin unterstützt sie in der Kita Ackerstraße in Gütersloh bei täglich anfallenden Arbeiten. 

„Ich bin einfach da, wenn man mich braucht“

„Ich desinfiziere, spüle, wasche und bin einfach da, wenn man mich braucht.“ Kita-Leiterin Ingeborg Hanhörster-Schmitt ist begeistert: „Iklas-Hussein Mahmed ist für uns ein echter Alltagsengel: eine wertvolle, nicht mehr wegzudenkende Mitarbeiterin.“

Stolz auf ihren Weg in den Arbeitsmarkt sind Sonja Asyarey-Botsio und Iklas-Hussein Mahmed. Mit Hilfe der Maßnahme „Familie und Beruf“ des Jobcenters Kreis Gütersloh haben die beiden Frauen es geschafft. Das Foto zeigt (v. l.) Sonja Asyarey-Botsio, Eva-Maria Vahlke (Weiterbildungszentrum Creos), Hilde Knüwe (Jobcenter) und Iklas-Hussein Mahmed.
Auch Sonja Asyarey-Botsio hat mit Unterstützung des Jobcenters und Creos den Weg zurück in den Arbeitsmarkt gefunden. Die 38-Jährige absolvierte erfolgreich eine Qualifizierung zur mobilen Pflegekraft. „Das Jobcenter hat mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Ein Beruf mit Zukunft“, erklärt sie. 

Kinderbetreuung sichergestellt

Nachdem die Kinderbetreuung sichergestellt war, bekam sie eine Festanstellung als Pflegeassistentin im Pflegewohnstift Am Nordring in Gütersloh. „Jetzt bin ich unabhängig von Sozialleistungen und kann meinen Kindern ein Vorbild sein. Hier werde ich gebraucht und meine Arbeit wird wertgeschätzt“, berichtet die alleinerziehende Mutter von drei Kindern stolz. 

Pandemie erschwert Personalsuche

Das bestätigt auch die Einrichtungsleitung Marion Liebschwager: „Für uns ist es durch die Pandemie noch schwerer geworden, geeignetes Personal zu finden. Umso mehr haben wir uns über die qualifizierte Bewerbung von Sonja Asyarey-Botsio gefreut. Da passte von Anfang an alles gut zusammen.“ 

Im Jobcenter Kreis Gütersloh waren im Jahr 2020 durchschnittlich knapp 40 Prozent der Bedarfsgemeinschaften Familien mit Kindern. Diese setzen sich zur Hälfte aus Alleinerziehenden (1632), davon sind 90 Prozent Frauen, und zur anderen Hälfte aus Partnerfamilien mit Kindern (1658) zusammen. Durchschnittlich waren 6483 Kinder unter 18 Jahren auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) angewiesen.

Maßnahme dauert sechs Monate

Die sechsmonatige Maßnahme „Familie und Beruf“ richtet sich an erwerbsfähige (Allein-)Erziehende, die Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie bei einem beruflichen (Wieder-)Einstieg benötigen. Ziele sind die Aufnahme oder Wiederaufnahme einer Beschäftigung, einer Ausbildung oder einer abschlussorientierten Weiterbildung sowie die Stärkung der individuellen Kompetenzen der Teilnehmenden.

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