IG Metall überprüft Westfalia-Bilanzen
Bild: Schulte-Nölle
Ein Großteil der Westfalia-Produktion soll aus Kostengründen nach Frankreich verlagert werden. Dort sind die Löhne niedriger.
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Die öffentliche Äußerung von Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer, dass die an der Franz-Knöbel-Straße beheimatete Firma seit der Übernahme durch die französische Rapido-Gruppe schwarze Zahlen schreibe, stehe im krassen Widerspruch zur angekündigten Verlegung eines Großteils der Reisemobil-Produktion nach Mayenne, sagte Beate Kautzmann, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gütersloh, der „Glocke“. Es dränge sich der Verdacht auf, dass es dem Mutterkonzern allein um die Maximierung seines Gewinns gehe.

Dass die knapp 180 Westfalia-Beschäftigten seit dem Neustart im Jahr 2011 auf einen Teil ihres Lohns verzichtet und unentgeltlich viereinhalb Stunden Mehrarbeit geleistet haben, spiele offenbar keine Rolle mehr. „Dabei haben die Kollegen dem Unternehmen mit ihren weitreichenden Zugeständnissen nach der Insolvenz wieder auf die Beine geholfen“, betonte Beate Kautzmann. Dass beim Mutterkonzern Rapido erst seit einigen Wochen über die Produktionsverlagerung an den Stammsitz in der Bretagne nachgedacht werde, glaubt die IG-Metall-Bevollmächtigte nicht. Denn bereits im vergangenen Sommer sei die Unternehmensleitung mit der Bitte an die Beschäftigten herangetreten, auch künftig auf zehn Prozent ihres Tariflohns zu verzichten sowie weiterhin ohne Ausgleich Mehrarbeit zu leisten. Diese Forderung hätten die Gewerkschaftsmitglieder jedoch abgelehnt. Seit Juli müsse Westfalia seinen Mitarbeitern deshalb wieder den vollen Lohn sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld zahlen. Zudem werde die Wochenarbeitszeit schrittweise bis 2018 auf die tariflich festgelegten 35 Stunden reduziert.

Beate Kautzmann machte deutlich, dass vor der Aushandlung eines Sozialplans nach deutschem Recht keine Produktionsverlagerung nach Frankreich erfolgen dürfe. „Darauf werden wir sehr genau achten und notfalls einstweilige Verfügungen erwirken.“ Auch die Produktion von Wohnmobilen auf Vorrat, um damit Lieferengpässe in der Anlaufphase im Rapido-Stammwerk in Mayenne abzufangen, werde die Gewerkschaft zu verhindern wissen, sagte sie.

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