Im „Schuhkarton auf Rädern“ zuhause
Bild: Werneke
In ihrem Wohnmobil hat sich Maria Lindner ein gemütliches Zuhause eingerichtet. Der Schreibtisch ist der Lieblingsplatz der Rheda-Wiedenbrückerin.
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 „Schuhkarton auf Rädern“ nennt die 62-Jährige lächelnd ihr kleines gemütliches Reich, in das sie Einlass gewährt.So kompakt muss ihr vor elf Jahren wohl das Wohnmobil vorgekommen sein, als sie es gegen ihr 110 Quadratmeter großes Haus eintauschte. Seither begleitet es sie auf ihrem Lebensweg.

Wie eine Spinne im Netz

„Das Wohnmobil ist mein Zuhause “, sagt Maria Lindner und macht es sich auf dem dezent gemusterten blauen Sofa gegenüber dem Sessel am Schreibtisch bequem. Der Tisch ist ihr Lieblingsplatz. Schon als 14-Jährige hat sie oft Briefe geschrieben und Tagebuch geführt. Damals wohnte sie noch in ihrem Elternhaus in Rheda, das heute als Bombecks Hof bekannt ist. An ein Leben im Wohnwagen hat sie damals nicht im Traum gedacht, und mit 18 Jahren war die junge Frau, die den Beruf der Bürokauffrau erlernte, noch auf Familiengründung bedacht. Erst mit 51 Jahren veränderte sich ihre Wohn- und Lebenssituation, so dass sie auf Achse ging. „Ich kam mir vor wie eine Spinne im Netz, die auf etwas wartet, das nicht kommt“, beschreibt die selbstbewusst wirkende Frau mit den kurzen grauen Haaren, wie sie seinerzeit ihre lange Arbeitslosigkeit empfunden hat. Kurzerhand verkaufte sie ihr Haus, das ihr finanzielle Basis für ihr knapp sechs Meter langes nagelneues Fahrzeug und einen Neuanfang war. Sie nahm sich die Freiheit zu sagen: „Jetzt tue ich endlich mal etwas für mich.“

Neun Winter in Portugal

Ein apricotfarbener Vorhang trennt den Wohnbereich von dem Lenkrad, hinter das sie sich damals mutig und neugierig setzte, um ihr erstes Ziel, das 2500 Kilometer entfernte Portugal anzusteuern. Im Hinterkopf hatte sie den Gedanken, sich vielleicht in dem sonnigen Land niederzulassen. Doch nach vier Monaten zog es sie zunächst nach Deutschland zurück. „Ich glaube, ich war damals zu deutsch, um im Süden leben zu können“, betrachtet Maria Lindner sich rückblickend als „zu pingelig“. Gleichwohl hat es sie immer wieder dorthin gezogen. Neun Winter hat sie in Portugal verbracht. Ist die Algarve herauf und herunter gereist und hat auf dem Weg dorthin weitere Länder wie zum Beispiel Frankreich besucht. Mittlerweile ist sie viel in Deutschland unterwegs. Dort hat sie ihr Herz an die weite Natur der Südheide verloren. Räumlich hat sich Maria Lindner mit ihrem knapp zwölf Quadratmeter großen fahrbaren Zuhause eingeschränkt, doch auf ihrem 185 763 Kilometer langen Weg ist ihr Leben reich geworden.

(Den kompletten Bericht lesen Sie in der „Glocke“ im Rheda-Wiedenbrücker Lokalteil am Donnerstag)

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