In der Gruppe wird schwere Last leichter
Bild: Munkelt
Hilfreiche Gespräche bei Brötchen und Kaffee: (v. l.) Hildegard Nieländer, Marlis Hagedorn, Sigrid Heitmann, Erika Polzin und Luise Günner treffen sich mit rund zehn anderen Frauen aus dem Kreisgebiet an jedem ersten Dienstag im Monat im Begegnungszentrum an der Gütersloher Feldstraße.
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Immer am ersten Dienstag im Monat um 9 Uhr ist Zeit für das Frauenfrühstück im Begegnungszentrum für Selbsthilfegruppen an der Feldstraße in Gütersloh. Vor genau 20 Jahren hat der „Freundeskreis der Abstinenzler“ das Treffen ins Leben gerufen. Die rund 15 regelmäßigen Teilnehmerinnen kommen aus Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Harsewinkel und Halle und sind im Alter zwischen 50 und 75 Jahren.

Ein Drittel von ihnen ist alkoholkrank, meistens trocken. Zwei Drittel der Frauen sind als Angehörige vom Problem Alkoholismus betroffen – ihre Ehemänner trinken oder haben lange Zeit getrunken. Zu ihnen gehören Marlis Hagedorn und Erika Polzin. Sie wissen, wie wichtig der Austausch mit anderen Frauen in der gleichen Situation ist. Sie sind seit dem ersten Gruppentreffen dabei. Ihre Ehemänner sind inzwischen gestorben. „Als Frau macht man sich selbst dafür verantwortlich, dass der Mann trinkt, und der tut es oft ebenfalls“, sagt Erika Polzin.

Von falschen Schuldgefühlen Abstand gewinnen

Erst in der Angehörigengruppe lerne man allmählich, von den falschen Schuldgefühlen Abstand zu nehmen und dem Partner gegenüber selbstbewusster aufzutreten. „Bis man in diese Gruppe kommt, ist immer schon viel passiert“, weiß Marlis Hagedorn um die „Karrieren“ der Alkoholiker und ihrer Familien. „Als Angehörige macht man das Problem lange Zeit mit sich selbst aus, redet sich ein, dass es anderen ja noch schlechter gehe.“

Unterstützung und das Wissen, verstanden zu werden, ohne sich schämen zu müssen: Die Frühstücksrunde, an der regelmäßig auch Suchtberater vom Kreisgesundheitsamt teilnehmen, gibt allen Frauen Halt. „Viele sagen, dass sie es ohne die Gruppe nicht aushalten würden“, berichtet Marlis Hagedorn. „Durch Reden wird manche schwere Last leichter.“ Das hat sie erst kürzlich wieder erfahren, als eine Bekannte am Telefon zunächst gar nicht erzählen wollte, dass ihr Mann nach 35 Jahren rückfällig geworden war, so sehr schämte sie sich. „Nachher sagte sie: ‚Bin ich froh, dass wir darüber gesprochen haben‘“, erzählt Marlis Hagedorn.

Noch mehr Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie in der „Glocke“ von Mittwoch, 4. Mai.

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