Jäger warnen: Tiere kennen keine Uhrzeit
 Autofahrer sind gesetzlich verpflichtet, einen Wildunfall umgehend bei der Polizei zu melden. Mit Blick auf die Zeitumstellung am Wochenende rät die Kreisjägerschaft zu besonderer Vorsicht.

Das sagt die Kreisjägerschaft. Denn: „Die Tiere kennen keine Uhrzeit und werden von starkem Verkehrsaufkommen oftmals überrascht.“

„Die Morgen- und Abendstunden, also die Zeit des Berufsverkehrs, sind besonders gefährlich“, sagt Ralf Reckmeyer, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Gütersloh. „Wenn das Wild zwischen seinen Einständen im Wald und den Wiesen wechselt, um Futter zu suchen, sollten Autofahrer besonders achtsam sein.“ Ein Zusammenstoß bei hoher Geschwindigkeit könne verheerende Folgen haben. „Ein Reh von nur 20 Kilogramm Gewicht hat bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern ein Aufprallgewicht von fast einer halben Tonne“, erläutert Reckmeyer weiter. So könne ein Unfall schnell tödliche Folgen für die Insassen haben.

Warnschilder an besonders gefährdeten Stellen

An besonders gefährdeten Bereichen sind Warnschilder aufgestellt. Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Zusammenstoß mit sogenannten Paarhufern wie beispielsweise Reh, Wildschwein oder Mufflon muss der Fahrer zwingend die Polizei benachrichtigen. Dies gilt auch, wenn das Wild geflüchtet ist. Die Polizei informiert den örtlichen Jäger. Die Tiere erleiden nach einer Kollision oft schwere innere Verletzungen. Um unnötige Qualen zu verhindern, veranlasst der zuständige Jäger dann eine sogenannte Nachsuche. „Dafür haben wir speziell ausgebildete Hunde“, erklärt Reckmeyer. Mit deren Hilfe könnten die Jäger auch ohne Spuren von Blut das verletzte Stück Wild finden.

901 Rehe sterben bei Unfällen im Kreis

Im Kreis Gütersloh kamen im Jagdjahr 2016/2017 bei Wildunfällen 901 Rehe ums Leben, 32 Prozent der gesamten Rehwildstrecke von 2817 Stück. Blaue Wildwarnreflektoren an den Straßenbegrenzungspfosten sollen die Zahl der Wildunfälle reduzieren und vermeiden. Die Aktion läuft seit 2012 unter der Beteiligung der Kreisjägerschaft, der Unteren Jagdbehörde, den Straßenbaulastträgern, der Kreispolizeibehörde, der Abteilung Straßenverkehr des Kreises Gütersloh und nicht zuletzt der zuständigen Jagdrevierinhaber. Mehr Informationen und Tipps, wie man einen Unfall vermeiden kann und was im Fall der Fälle zu tun ist, gibt es in einer Broschüre des Landesjagdverbands NRW, die im Internet zu finden ist.

Tipps der Kreisjägerschaft

Kreisjägerschaft rät dazu, folgende Punkte zu beachten, um Unfälle mit Wild zu vermeiden:

Fahrbahnränder genau beobachten; Wildwechselschilder beachten; Sicherheitsabstand einhalten; beim Anblick eines Rehs mit weiterem Wild rechnen.

Wenn Wild auf die Straße wechselt, ist folgendes Vorgehen ratsam: Geschwindigkeit reduzieren, hupen, abblenden; nachfolgenden Verkehr beachten; an den eigenen Schutz denken; ist eine Kollision nicht zu verhindern, ist ein frontaler Zusammenstoß ungefährlicher, als ein Seitenaufprall gegen einen Baum oder dergleichen.

Wenn es zu einem Unfall kommt und Autofahrer ein Tier angefahren oder überfahren haben, gilt: umgehend anhalten; Warnweste anziehen; Unfallstelle absichern; Verletzte versorgen; überfahrenes Wild von der Fahrbahn entfernen oder, wenn dies nicht möglich ist, mit Warndreieck oder Blinklicht kennzeichnen; Unfallort markieren; unverzüglich die Polizei informieren; den Jagdausübungsberechtigten informieren, gegebenenfalls über die Polizei; Wildunfall durch Unfallmeldung bestätigen lassen, damit die Regulierung des Schadens durch die Versicherung möglich ist.

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