Jörg Pleva nach Gastspiel notoperiert
 So hätte er aussehen müssen, der Auftritt von Jörg Pleva als „Lustiger Witwer“ im Theater Gütersloh. Doch der verletzte Schauspieler agierte überwiegend aus dem Rollstuhl heraus und wurde später in Bielefeld noch notoperiert.

Das erklärte auf Anfrage der „Glocke“ eine Sprecherin des Berliner Ensembles. Plevas Auftritt in Gütersloh hatte für Furore gesorgt. Denn seine Rolle als Schwerenöter absolvierte er größtenteils vom Rollstuhl aus.

Dem Publikum stockte der Atem, als Plevas Kollege Marcus Ganser eingangs verkündete, dass der Bühnen- und Filmschauspieler eigentlich vom Arzt ein Spielverbot auferlegt bekommen habe. Grund seien zwei gebrochene Rückenwirbel. Eine Verletzung, die sich Pleva bei den Abschlussproben zum Stück in Berlin zugezogen hatte. Der Patient wollte jedoch sein Publikum nicht enttäuschen und es sich unter keinen Umständen nehmen lassen, auf der Gütersloher Bühne zu stehen. Und tatsächlich, er lieferte eine glänzende Darbietung, die mit tosendem Applaus honoriert wurde.

Pleva spielt Rolle des Thomas Maddison

Pleva spielte die Rolle des Thomas Maddison, der sich als frisch gebackener Witwer und Alleinerbe darauf freut, die vielen Millionen der Gattin endlich ausgeben zu können, mit großer Leidenschaft. Sohn Richard (Marcus Ganser) wurde von der Mutter enterbt, weil er nach London abgehauen war mit der ungeliebten Schwiegertochter Harriet (Adisat Semenitsch). Ungeachtet dieser wenig harmonischen Familienbande nistet sich Thomas bei seinem Sohn ein und frönt mit viel Champagner und einigen sehr jungen Damen dem dolce vita.

Leena Fahje ist als Bordsteinschwalbe Elaine zu sehen, die ihn ehelichen möchte, um an seinen Millionen teilhaben zu können. Bianca Karsten gibt die Sharon, die zur neuen Modell-Ikone für Richards Werbeagentur aufsteigt. Ein Grund mehr für Pleva, um anzustoßen.

Simon Moss’ Komödie „Der lustige Witwer“ basiert auf Johnnie Mortimers und Brian Cookes Fernsehkomödie „Tom, Dick and Harriet“ und wurde von Jürgen Wölffer und Wolfgang Spier als klassisches Boulevardstück mit entsprechenden Kalauern und Slapstick inszeniert. Das Bühnenbild zeigte sich tourneegerecht einfach: Ein Sofa und ein paar Wohnaccessoires genügten, um Richards Wohnzimmer gemütlich wirken zu lassen. Die gut aufgelegte Schauspielerriege überzeugte durch Sprachwitz und hervorragende Improvisation mit dem gehandicapten Jörg Pleva. Und auch wenn die Geschichte zum Ende hin überzeichnet wirkte – das Publikum bedankte sich mit lautstarkem Applaus.

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