Jugendkammerchor an Ostern wieder im Fernsehen
Vielfacher Preisträger: Die Qualität des Christophorus-Jugendkammerchors Versmold ist in Fachkreisen schon seit Jahrzehnten anerkannt. Seitdem das Ensemble mit seinem Leiter Hans-Ulrich Henning einen Fernsehwettbewerb gewonnen hat, sind die Anfragen förmlich explodiert.

„Wir haben Konzertanfragen bis 2019 bekommen.“ Mehrere Auslandsreisen stehen demnächst auf dem Programm. Und an diesem Sonntag, 16. April, treten die rund 40 Jugendlichen wieder im Fernsehen auf. In der Osterausgabe der WDR-Sendung „Daheim und unterwegs“ ab 16.15 Uhr hat der Chor der CJD-Christophorus-Schule (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) drei Live-Auftritte mit einem internationalen Programm.

„Das war schon spannend“

Hans-Ulrich Henning
Fernseherfahren sind die Schüler ja nun. „Das war schon aufregend“, blickt Maxim Tönnies (19) auf die live übertragenen Halbfinal- und Final-Auftritte beim WDR-Wettbewerb im Dezember zurück. „Ich hatte vorher schon bei vier, fünf Wettbewerben mitgesungen, aber live im Fernsehen, das war nochmal was anderes“, sagt er. Während des Finals mussten die Versmolder immer wieder vor dem Saal warten, während die Konkurrenz-Ensembles auftraten. „Ich bin nur noch rumgelaufen vor lauter Anspannung“, erzählt der angehende Abiturient. Maximilian Meyer zu Drewer (16) nickt bestätigend: „Das war total spannend. Und dann kam auch noch der Zeitstress mit dem Umziehen zwischendurch dazu.“ Alle seien aber „voller Motivation und total engagiert bei der Sache“ gewesen.

Am Ende hat es sich für die Versmolder gelohnt, ihrer Linie treu zu bleiben und hauptsächlich klassische Stücke zu singen. „Ganz viele Gratulanten haben geschrieben, dass sie es toll finden, dass ein Chor mit einem klassischen Repertoire gewonnen hat“, erzählt Hans-Ulrich Henning.

Ihm bedeutet der Sieg, über den das Fernsehpublikum entschied, indes nicht mehr als die zahlreichen Titel, die der Chor in den 38 Jahren seines Bestehens unter dem Schulmusiklehrer, studierten Sänger und Gesangslehrer bei Wettbewerben vor Fachjurys gewonnen hat. Zuletzt holten Henning und seine Schützlinge 2016 beim internationalen Jugendmusikfestival in Wien unter 25 eingeladenen Chören die Auszeichnung „Erster Platz mit exzellentem Erfolg“.

Regelmäßig erste Preise

Seit der Gründung des Chors 1979 durch Henning, der erste eigene Gesangserfahrungen im Knabenchor der Stiftskantorei Gütersloh machte, hält der Leiter das Niveau hoch. Im In- und Ausland sind die Versmolder begehrte Gäste. Mehr als 650 Konzertreisen und Auftritte haben sie bereits absolviert. Von Wettbewerben kommen sie regelmäßig mit dem ersten Preis zurück.

Am 11. Mai geht es Richtung Finnland

„Man muss sich Ziele setzen. Das bedeutet ja auch eine Herausforderung für die Schüler“, sagt Hans-Ulrich Henning über die Auftritte und Reisen im Jahr, die ebenso wie die professionelle Stimmbildung durch seine Frau Sibylle Henning und einen weiteren Gesangspädagogen von Sponsoren ermöglicht werden. Am 11. Mai geht es gen Norden: Der Jugendkammerchor Versmold tourt zehn Tage lang durch Finnland. Mit dem Jugendchor von Turku besteht ebenso eine Freundschaft wie mit Ensembles in Schweden, Polen und Tschechien.

Im Advent ist wahrscheinlich Warschau ein weiteres Ziel. Vor allem die langjährigen Kontakte nach Osteuropa sind Henning bis heute wichtig: „Richtung Osten zu gehen, hat mir viel bedeutet. Ich verstehe Musik als Brücke zwischen Menschen.“

Doch die Schüler sind nicht nur in großen Städten unterwegs. „Wir singen auch regelmäßig hier vor Ort, etwa im Altenheim“, betont der Chorleiter. „Die soziale Komponente ist genauso wichtig wie das Streben nach hohem Niveau.“

Keine Nachwuchsprobleme

Nachwuchsprobleme hat der renommierte Chor nicht. Mit persönlicher Ansprache gelingt es Henning, die Begeisterung der Schüler zu wecken und zu halten. Seine Überzeugung: „Nur durch Tiefgang kann man etwas erreichen.“ 45 Berufsmusiker habe der Chor bereits hervorgebracht, berichtet er nicht ohne Stolz. Auch Chorsänger Maxim Tönnies erwägt, Musik zu studieren, wahrscheinlich Klavier, wenn er sein Abitur in der Tasche hat. „Der Hauptgrund, an diese Schule zu gehen, war das Musikangebot“, betont der 19-Jährige aus Dissen.

„Dieser Chor ist mein Lebenswerk“

Henning ging vor zwei Jahren als Lehrer in Pension, hat seitdem einen Vertrag als externer Chorleiter. Und geht mit unverminderter Leidenschaft zu Werke: „Dieser Chor ist eine Gemeinschaft. Und er ist mein Lebenswerk. Ich möchte das gern bis in alle Ewigkeit machen.“

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