Käthe Kollwitz und die Stärke ihrer Arbeit
Bild: Poetter

Mit der Künstlerin Käthe Kollwitz startet das Museum Peter August Böckstiegel am Sonntag, 16. Februar, unter dem Titel „Mit Stärke seine Arbeit tun“ in das neue Ausstellungsjahr. Das Bild zeigt den künstlerischen Leiters des Museums, David Riedel, in der Ausstellung.

Bild: Poetter

Eine Schau in Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, die durch Leihgaben der Kunsthalle Bielefeld, der Ahlers Collection, des Böckstiegel-Freundeskreises und Arbeiten aus Privatbesitz ergänzt wird.

61 Zeichnungen und Grafiken sowie vier Skulpturen

„Kein kompletter Rundgang durch ihr Leben“, stellt der künstlerische Leiter des Böckstiegel-Museums, David Riedel, klar. Gezeigt würden jedoch wichtige Arbeiten der 1867 geborenen Grafikerin und Bildhauerin, die als Ikone der deutschen Kunstgeschichte bezeichnet wird.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung mit insgesamt 61 Zeichnungen und Grafiken aus unterschiedlichen Perioden sowie vier Skulpturen am Sonntag, 16. Februar,  um 11 Uhr.

„Käthe Kollwitz, die am 22. April ihren 75. Todestag hat, stellte den Menschen in den Mittelpunkt ihres Schaffens“, sagt Riedel – mit Themen, die auch in der heutigen Zeit aktuell und nach wie vor von Bedeutung sind. In ihren Werken reflektiert die Künstlerin nicht nur die gesellschaftlichen Missstände ihrer Zeit, sondern prangert auch die Sinnlosigkeit des Krieges an.

Trauer um Sohn nie verschmerzt

Die Trauer um ihren 1914, nur wenige Tage nach Kriegsbeginn gefallenen blutjungen Sohn Peter hat sie nie verschmerzt. Ein Tod, der die Mutter zur Pazifistin werden ließ. Vielleicht auch ein Grund, warum sich Käthe Kollwitz in ihren Werken gern mit ihrer Rolle als Frau und Mutter auseinandersetzte.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den künstlerischen Anfängen in Berlin und München über die Jahre ihrer frühen Erfolge zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zu den 1920er- und frühen 1930er-Jahren. Eine Zeit, in der ihr Schaffen große Anerkennung erfuhr – bevor es von den Nationalsozialisten diskreditiert wurde. Kollwitz hatte künstlerische Einschränkungen, konnte ab 1938 zwar noch arbeiten, aber nicht mehr ausstellen. Kurz: Biografie und Werk sind bei der Künstlerin auf das Engste verwoben.

Im Museum Peter August Böckstiegel ist es die virtuose Zeichnerin und Grafikerin, die im Fokus der sechsten Ausstellung des Hauses steht. „Eine Autorin, die ihr eigenes Leben immer wieder zur Grundlage allgemeingültig verstandener Darstellungen der menschlichen Existenz nutzte“, so Lilian Wohnhas von der Kunstvermittlung des Museums.

„Damals hatten Frauen wenig Chancen“

In der Ausstellung „Mit Stärke seine Arbeit tun“ wird außer Bronzearbeiten – darunter „Turm der Mütter“ (1938) und „Frau mit Kind im Schoß“ von 1911 – die aus Gips gefertigte Skulptur „Die Klage“ aus dem Jahr 1938 gezeigt. Eine Arbeit, die auf den Tod des Bildhauers Ernst Barlach im gleichen Jahr Bezug nimmt. Hinzukommen drei vollständig versammelte grafische Zyklen: „Ein Weberaufstand“ (1893–1897), „Bauernkrieg“ (1902–1908) und „Krieg“ von 1922. Bewegende Radierungen („Nie wieder Krieg“) und Kreidelithographien, die ihre Themen schonungslos, oft drastisch behandeln und Grausamkeiten nicht verschweigen.

Die frühen Grafiken und Lithographien bestehen mehrheitlich aus kleinen Formaten, die am Kollwitzschen Küchentisch entstanden sind. „In der damals von Männern dominierten Kunstwelt hatten Frauen wenig Chancen“, so Riedel. Ein eigenes Atelier war da nicht drin. Die Autodidaktin habe sich deshalb an privaten Kunstschulen weiterentwickelt. Der „männliche Einschlag“ in ihrem Duktus sei dabei förderlich gewesen, so der künstlerische Leiter. Besonders beeindruckend ist das Selbstbildnis von 1938, auf dem Käthe Kollwitz gedankenverloren ins Leere blicke.

Die Ausstellung im Neubau neben dem Geburtshaus von Peter August Böckstiegel an der Schloßstraße 109/111 in Werther läuft bis Sonntag, 3. Mai. Geöffnet ist das Museum mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr.

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