Kaum Bewerber für Grundschulleitung
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Es wird zunehmend schwieriger, Lehrkräfte zu finden, die die Schulleitung übernehmen wollen. Für viele junge Bewerber sei das Arbeitspensum zu hoch, sagt Arndt Geist vom Schulamt des Kreises.
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Fünf Leitungsstellen an Grundschulen seien im Kreisgebiet derzeit vakant und sollen zum nächsten Schuljahr, also zum 1. August 2020, besetzt werden. Ob das allerdings funktioniert, ist fraglich. Denn Bewerber sind rar gesät.

„Die Gründe dafür sind vielschichtig“, sagt Geist. Zum einen sei es eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein Jahr dauert beispielsweise die Qualifikationserweiterung für Lehrer, die ein Amt als Schulleiter anstreben, die von der Bezirksregierung angeboten wird.

Jeder künftige Leiter muss sich zudem einem dreitägigen Verfahren zur Feststellung der Eignung unterziehen. Dabei handelt es sich um ein Assessment-Center-Verfahren, bei dem die Bewerber „auf Herz und Nieren geprüft werden“, wie Geist sagt. „Das ist durchaus gerechtfertigt“, findet er.

Sollte sich also ein Lehrer finden, der Interesse an einer Leitungsposition hat, muss er diese Hürde nehmen. Dass das ein zusätzliches Hemmnis bei ohnehin schon wenigen Bewerbern ist, sieht auch Arndt Geist. Aber: „Die Person muss sehr gut vorbereitet werden auf die Stelle“, sagt er.

Das Problem, so vermutet er, liege auch gar nicht an den Voraussetzungen für die Einstellung. Vielmehr sei es der Arbeitsaufwand, den viele jüngere Menschen nicht mehr bereit wären zu leisten. Da helfe es auch nicht, dass die Landesregierung die Besoldung für Schulleitungen zum 1. Januar 2017 hochgesetzt habe. „Das Gehalt ist offenbar nicht ausschlaggebend“, so der Schulrat, der für 30 der insgesamt 56 Grundschulen im Kreisgebiet zuständig ist – unter anderem auch für die Josefschule in Herzebrock-Clarholz.

Wie berichtet, war die Leitungsstelle dort bereits mehrfach ausgeschrieben. Bewerber gab es bisher keine. Im Februar dieses Jahres war dort der Rektor Aloys Rohling in den Ruhestand gegangen. Derzeit wird die Einrichtung kommissarisch von der Konrektorin Birgit Huchtemeier-Sehlhoff geführt.

Die Situation der Josefschule ist allerdings noch einmal eine besondere, da es sich um eine katholische Bekenntnisgrundschule handelt. Interessenten müssen also der katholischen Kirche angehören, um die Leitungsfunktion ausüben zu dürfen.

Das Arbeitsumfeld der Schulleiter habe sich in den vergangenen Jahren verändert, sagt Arndt Geist. Aufgaben wie die Inklusion kämen auf die Lehrkräfte ebenso zu wie eine veränderte Schülerschaft. „Es gibt mehr Kinder mit einem emotional-sozialen Förderbedarf“, gibt er ein Beispiel.

Auch spiele mit hinein, dass jüngeren Menschen eine ausgeglichene Work-Life-Balance wichtiger sei, als Karriere zu machen. „Viele stellen sich die Frage, ob sie nicht lieber Lehrer bleiben wollen, statt zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.“

Dabei bemühen sich das Land und der Kreis darum, Interessenten zu fördern. So gibt es zum Beispiel ein Mentorenprogramm, bei dem sich Schulleiter und solche, die es noch werden wollen, austauschen. Zudem wurden Arbeitskreise gebildet. „Wir fragen auch nach, ob im Kollegium oder unter den Konrektoren jemand ist, der sich auf den Weg machen will“, sagt Arndt Geist.

Das Problem sei aber auch, dass der Druck im Schulsystem sehr hoch sei. So gebe es zum Beispiel nur zwei Entlastungsstunden für Unterrichtsentwicklung. Dabei können sich Rektoren und ihre Stellvertreter um besondere Projekte kümmern. „Da muss mehr kommen“, sagt Geist. Das Land halte sich in diesem Bereich aber zurück.

Das Problem sei, dass auch Lehrer fehlten und somit der Druck hoch sei. Dann noch der Leitung mehr Entlastungsstunden zu geben, sei schwierig.

Mit der Forderung nach mehr Anrechnungsstunden ist Geist nicht allein. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert mehr Freiraum für die vielfältigen Zusatzaufgaben in Schulen und als Ausgleich für unterrichtliche Belastungen.

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