Kinderschutzbund kritisiert Mogelpackung
Bild: Dünhölter
Nahmen jeden einzelnen Erwachsenen in die Pflicht: (v. l.) Burkhard Martin und Bettina Flohr vom Kinderschutzbund im Kreis Gütersloh. Sie sind der Meinung, Kinder und Jugendliche auf den richtigen Bildungsweg zu bringen, sei „eine wunderbare Aufgabe, die wir alle zusammen als gesellschaftliche Herausforderung sehen müssen“.
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Bei dem Aktionstag mit Musik, Spiel und einem Kisten-Stapelwettbewerb drehten sich die Gedanken um die übergeordnete Thematik: „Gleiche Bildungschancen für alle Kinder.“ Die Betonung lag auf dem vorletzten Wort. Laut Burkhard Martin, Vorsitzender des Kinderschutz-Kreisverbands Gütersloh, hänge der Bildungserfolg und somit das ganze weitere Leben von Heranwachsenden stark von der sozialen Herkunft ab. Familien in höheren Einkommensgruppen könnten bis zu dreimal so viel in die Bildung ihrer Kinder investieren. Und deren Zukunftschancen dementsprechend potenzieren.

Selbst Förderinstrumente wie das mit 100 Euro im Jahr pro Kind förderbare Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung könne die Nachteile von in Armut aufwachsenden Kindern nicht ausgleichen. Anhand einer für das erste Schuljahr ermittelten Materialliste sei der tatsächliche Förderbedarf laut Kinderschutzbund „doppelt so hoch“.

Halbvoll ist halbleer

Zum Beweis für die These offerierte das Team unter dem Motto „Mogelpackung Bildungs- und Teilhabepaket – halbvoll ist halbleer, wenn es um Bildung geht“ einen Test. Aus einem Korb mussten Schulmaterialien wie Hefte, Wachsmalstifte, Ordner und Radiergummis für geschätzte 100 Euro herausgesucht werden. Für die Mehrzahl der anderen, genauso fürs Lernen benötigten Gegenstände, reichte das Geld am Ende nicht mehr aus.

Eine im Hintergrund aushängende Bedarfsliste addierte die für i-Männchen benötigten Materialien für den Schuleinstieg auf einen Wert von rund 500 Euro. Für Burkhard Martin ergab sich daraus die Forderung: „Grundlegende Schulmaterialien müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden.“

Teilhabepaket weitgehend unbekannt

Kinderschutzbund-Geschäftsführerin Bettina Flohr nannte als zweites grundlegendes Problem des Bildungs- und Teilhabepakets seine weitgehende Unbekanntheit. Nach Untersuchungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands werden die staatlichen Fördergelder NRW-weit nur zu 14,5 Prozent bei der jeweiligen Kommune beantragt. Der Löwenanteil von 85,5 Prozent wird nicht abgerufen. Noch eklatanter sind die lokalen Zahlen. Nur 5,7 Prozent der Berechtigten beantragen bei der Stadt Gütersloh den Zuschuss. Die überwältigende Mehrheit von 94,3 Prozent verzichtet auf das Geld.

Als Gegenbeispiel für gelungenen Umgang mit Fördermitteln führte Bettina Flohr die Stadt Hamm an. Dort werden über eine sogenannte You-Card 91,3 Prozent der Mittel in Anspruch genommen.

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