Komödie schippert gekonnt im Seichten
Wie konnte das passieren? Köchin Margarete Glöbich (Eleonore Lange) prüft, ob das Opfer noch lebt. Hiltrud Huber (Eleonore Lange) und Kapitän Hubert Hacker (Johannes Lange) schauen entsetzt zu.

„Jetzt kriege ich Gänsehaut“, raunt eine Besucherin in Reihe zwei. Nicht nur bei ihr ist die Vorfreude auf den schauspielerischen Mordsspaß groß. Vier Monate lang haben die Akteure vom „Theata Creativa“ für die Kriminalkomödie „Eine Leiche für Margarete“ geprobt. Am Samstagabend heißt es erstmals: „Kapitän, Kahn voll! Leinen los!“

Schnell wird klar, dass es sich um deftiges Boulevardtheater handelt, dass Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens mit Wortwitz und Situationskomik verspottet werden. Manch einer – das zeigen die Publikumsreaktionen – muss sich erst daran gewöhnen, dass ein flacher Gag den nächsten jagt.

„So unheimlich flach“, wie der neue Spielleiter Rainer Sommer in der Pause erläutert, „dass das Stück umso schwerer zu spielen ist.“ Vor allem für Laien. Die meistern ihren Part, der so völlig vom normalen abweicht, mit Bravour, denn sie lassen rasch das Lampenfieber hinter sich. Allen voran Rainer Klär, der den langhaarigen Sonnenbrillen-Obermacho Rocky Ricks fantastisch glaubhaft verkörpert, hat seinen Wortschatz wohl deutlich erweitern müssen. Weit unter der Gürtellinie setzt er seine Pointen und lässt damit den vermeintlichen Mord zur Nebensache werden.

Auf dem Kreuzfahrtdampfer treffen Charaktere aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Sei es die adelige Sybille von Maierstein (Vera Glaser) und die naive Metzgersgattin Elvira Griebe (Anke Lange), Autorin Beate Ohse, die ihre Wortduelle mit Rocky Ricks ausficht, die seekranke Schiffsärztin Dr. Käthe Klein (Cornelia Klär), Servicekraft Hiltrud Huber, die gern mal zu tief ins Glas guckt, und nicht zuletzt „Miss Marpel“ Margarete Glöbich.

Die soll eigentlich kochen, geht aber mit ihrer Spürnase viel lieber auf Tätersuche. Mit allerfeinstem rollendem Waterkant-R hatte Kapitän Hubert Hacker (Johannes Lange) die Besucher zu Beginn zur zweistündigen Kreuzfahrt begrüßt. Natürlich könne er das große Schiff nicht allein steuern.

„Die Mannschaft hat einen großen Teil ihrer Freizeit geopfert, um das hier möglich zu machen.“ Ein besonderer Dank ging an den neuen Spielleiter Rainer Sommer. Er habe „den Kahn aufpoliert und die Mannschaft flott gemacht.

Der neue Spielleiter Rainer Sommer, der im Kleinen Theater Bielefeld tätig ist, viel mit Kindern arbeitet und seit Jahren mit einem Improvisationstheater tourt, hat sich erstmals als Regisseur an ein Erwachsenenstück herangetraut. Spaß habe es gemacht, die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen, die Ansprüche zugleich anzupassen, um auf eine Linie zu kommen, sagt Sommer. Und die Darsteller bekommen am Ende sein ganz großes Lob: „Ihr habt toll gespielt.“

Weil das Interesse wiederum unglaublich groß war, hat sich das Laien-Ensemble entschlossen, zu den angekündigten vier Auftrittstermine einen weiteren hinzuzufügen. „Drei Wochen nach Bekanntwerden waren wir ausverkauft“, erläutert Michael Vetter. Auch die Karten für den Zusatztermin am 3. März sind bereits vergriffen.

Insgesamt werden also 550 Besucher in den Genuss des turbulenten Bühnenspiels kommen. Der Erlös soll in die Außenrenovierung der St.-Heinrich-Kirche fließen.

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