Kriegsgefangenenlager vor 70 Jahren befreit
Bild: Bitter
Der Integrationsbeauftragte der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock, Metin Eser (links), und der Vorsitzende des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock, Hubert Kniesburges, legten an der Informationstafel im Eingang zur Landespolizeischule Blumengebinde nieder.
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Sie legten Blumen vor einer Informationstafel nieder. Sie steht im Eingangsbereich zur Landespolizeischule in Stukenbrock-Senne. Auf deren Gelände befindet sich auch die Dokumentationsstätte über das Lager, das von 1941 bis 1945 bestand. Kniesburges erinnerte daran, dass mit dem Lager in Stukenbrock auch das in Wewelsburg befreit worden sei. Auf einem Feld bei Kaunitz seien Zwangsarbeiterinnen zu den rettenden amerikanischen Truppen gestoßen, auf dem Marsch von Lippstadt nach Bergen-Belsen.

8500 sowjetische, 110 französische sowie etliche polnische, jugoslawische und italienische Kriegsgefangene kamen in der Senne frei. Sie hatten bereits den Kampf gegen die unmenschliche Gefangenschaft selbst in die Hand genommen, wie aus der Rede Werner Höners aus Porta Westfalica hervorging. Der langjährige Vorsitzende des 1966 in Lemgo gegründeten Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“ wertete den 2. April als vorgezogenen 8. Mai 1945, den Tag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

Richard von Weizsäcker habe 1985 als erster Bundespräsident den 8. Mai als Tag der Befreiung herausgestellt, würdigte Höner. Er mahnte, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus endgültig zu überwinden. Aus dem Buch eines sowjetischen Zeitzeugen entnahm der Redner, dass die deutschen Polizisten schon am 31. März entwaffnet worden seien von sowjetischen Soldaten, während sich in den Wäldern ringsum noch SS versteckte.

Nach einer Schweigeminute kritisierte Werner Höner, dass sowjetische Kriegsgefangene im Gegensatz zu Zwangsarbeitern noch immer keine Entschädigung erhalten hätten. Für einen dauerhaften Frieden sei ein gutes Klima zwischen Deutschland und Russland zwingend, forderte Höner. Sanktionen gegen Russland und Unterstützung der Ukraine würden nicht dazu beitragen.

An dem Gedenken nahmen zahlreiche Politiker teil. Unter ihnen die Bundestagsabgeordnete der Linken, Inge Höger (Herford), der SPD-Landtagsabgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe (Hüllhorst) sowie die Ratsmitglieder Heinz-Wilhelm Tzschentke und Jochen Gürtler (SPD) sowie Reinhard Tölke (Grüne).

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