Landfrauen strippen für den guten Zweck
Erfolg wie im richtigen Leben: Die „Kalender Girls“ des Berliner Theaters am Kurfürstendamm boten in Tim Firth gleichnamiger, auf wahren Begebenheiten beruhenden Komödie sowohl Charme als auch nackte Tatsachen im Theater Gütersloh.

Als dann Annies Mann an Leukämie stirbt, beschließen sie, der Krebsstation des Krankenhauses ein neues Sofa zu schenken. Das ist der Auftakt zur turbulenten Komödie „Kalender Girls“ von Tim Firth, die am Samstag im Gütersloher Theater für ein volles Haus gesorgt hat.  Kein Wunder, war doch die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte schon in der superben Verfilmung (2003) mit Helen Mirren und Julie Walters in den Hauptrollen ein echter Renner.

Anknüpfen an Publikumserfolg

Ein Publikumserfolg, an den Martin Woelffer mit seiner Bühnenfassung für das Berliner Theater am Kurfürstendamm anzuknüpfen versuchte. Geboten wurde ein fröhlich-harmloser Spaß mit gut aufgelegten Akteuren, der – trotz einiger Längen – einen verregneten Abend gerettet hat. Ein Sofa: Das dazu nötige Geld soll ein Kalender bringen. Die Clubchefin hat da auch schon eine Idee: „Wir verzichten auf die üblichen Motive wie Brücken oder Kirchen“, sagt Chris (Gaby Gasser) und schlägt ihren Freundinnen vor, einen Pin-Up-Kalender zu machen, mit den Landfrauen selbst als Motive. „Fleisch verkauft sich gut“, weiß die Blumenhändlerin. Und: Die letzte Phase der Blüte sei immer die Prächtigste. Der prüden Ruth, glänzend gespielt von Manon Straché, ist die Sache einfach nur peinlich. Kaufen will sie den Kalender schon, aber selbst posieren? Skeptisch sind auch Pastorentochter Cora (Herma Koehn) und Marie (Nela Bartsch). Als Annie (Ingrid Mülleder) dann aber erklärt, das Projekt sei ganz im Sinne ihres verstorbenen Gatten John (Roland Avenard), stimmen die Landladies zu. „Wir strippen und der Welt fällt der Kiefer runter“, ruft Ideengeberin Chris und wirft ihren BH übermütig kichernd in die Luft.

Geschickt verdeckte nackte Tatsachen

Es kommt wie es kommen muss: Ein Fotograf (Robert Frank) wird engagiert, die Hüllen fallen und der Kalender wird ein Riesengeschäft. So wie einst die Ladies in Yorkshire sorgten auch die „taffen girls“ an der Dalke für Heiterkeit angesichts der geschickt verdeckten nackten Tatsachen. Immer, wenn es auf der Bühne prickelig wurde, gab es Zwischenapplaus. Das muntere Sextett ließ sich ja auch einiges einfallen, um – aller Blöße zum Trotz – seriös zu bleiben. Während sich Lehrerin Jessie (Brigitte Grothum) hinter einer blickdichten Strickarbeit ver-steckte und eine verwegene Ruth hinter aufgetürmten Orangen Schutz suchte, verhüllte die kesse Celia (Sylvia Wintergrün) ihre Blöße mit Rosinenschnecken. Annie dagegen kaschierte den Busen – mit zwei bunten Teekannen.

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