Landwirte prangern Schleuderpreise an
„Die Landwirte erhalten immer weniger vom Lebensmittelpreis an der Ladentheke“, erklärt der Kreisverbandsvorsitzende Andreas Westermeyer (links). Deswegen beteiligten sich die heimischen Landwirte an der plakativen Protestaktion. Das Bild zeigt  (v. l.) Wilhelm Fiegenbaum, den Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, Josef Pohlmann sowie Andreas und Bettina Westermeyer.

25 Cent für einen Liter Milch, 26 Cent von 200 Gramm Wurst, 1 Cent von einem Brötchen – das, was Landwirte für Lebensmittel erhalten, wird einer Mitteilung zufolge immer weniger. „Die Spannen verbleiben bei den Vermarktern, Verarbeitern und vor allem bei dem Lebensmitteleinzelhandel“, kritisiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Gütersloh, Andreas Westermeyer. Gleichzeitig schrieben immer mehr landwirtschaftliche Betriebe rote Zahlen und gerieten unter massiven wirtschaftlichen Druck. Nicht wenige fürchteten um ihre Existenz.

Landesweite Plakataktion

Mit Plakaten weisen die Bauernfamilien darauf hin, dass Schleuderpreise für Lebensmittel eine nachhaltige Landwirtschaft und eine heimische Lebensmittelerzeugung zu hohen Standards mittel- und langfristig gefährden. „Wir brauchen Preise, die allen Akteuren der Lebensmittelkette eine Perspektive und vor allem uns Landwirten ein Überleben ermöglichen“, untermauert Westermeyer. Nur noch rund zehn Prozent der Konsumausgaben habe der Verbraucher 2014 für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke eingesetzt. Der Anteil sei im langjährigen Vergleich klar zurückgegangen. Der Grund für diesen Trend liege in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

Wirtschaftliche Probleme nehmen zu

Die Situation der Bauernfamilien ist seit über einem Jahr äußerst angespannt, teilt der Kreisverband mit. Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch seien drastisch gefallen und befänden sich auf einem historischen Tiefstand. „Mit Erzeugerpreisen von 0,25 Euro für ein Liter Milch und 1,30 Euro für ein Kilogramm Schweinefleisch können wir nicht leben“, so der Vorsitzende. Auch mit Blick auf das Jahr 2016 sei keine Trendwende in Sicht. Die derzeitige wirtschaftliche Situation auf den Höfen sei besorgniserregend. Einkommens- und Liquiditätsprobleme hätten dramatisch zugenommen. Westermeyer: „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand.“

Der Lebensmitteleinzelhandel übe dagegen großen Preisdruck aus. Vier Unternehmen (Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland) teilten sich 85 Prozent des Markts. Landwirte erhielten im Schnitt nur noch 22 Prozent von dem, was Verbraucher im Geschäft ausgeben. Bei Brot und Co seien es sogar nur noch fünf Prozent. Dabei seien die Lebensmittelpreise im Laden in den Jahren 2014 und 2015 sogar leicht angestiegen, obwohl die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise stark zurückgegangen seien (2014: minus 7,4 Prozent, 2015: minus 6 Prozent).

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