Liberale wollen wieder miteinander reden
Bild: Neitemeier
Dr. Joachim Stamp, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag (Mitte), war am Samstag im Hotel Appelbaum in Gütersloh Gastredner des FDP-Kreisparteitags, hier mit dem Kreisvorsitzenden Hermann Ludewig (links) und dessen Vertreter Thorsten Baumgart.
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Wie schwierig die Situation ist, zeigte sich allein daran, dass die FDP-Kreistagsmitglieder Michael zur Heiden und Hartwig Fischer an der Tagung im Hotel Appelbaum in Gütersloh nicht teilnahmen und der übliche „Bericht der Kreistagsfraktion“ nicht einmal auf der Tagesordnung stand.

Ludewig: „Wir waren ein zahnloser Tiger“

Kreisvorsitzender Hermann Ludewig (Borgholzhausen) sprach denn auch von einem „sehr, sehr schwierigen Jahr“. Bei der Kommunalwahl sei der Trend „gegen uns gewesen“, was zu einer Halbierung der Zahl der Mandatsträger im Kreis geführt habe. Zudem seien alle Versuche, den Kreistagsvertretern die Fraktion mit den AfD-Politikern auszureden, gescheitert. Auch die Missbilligung durch den Kreisvorstand habe nichts gebracht. „

Wir waren ein zahnloser Tiger“, stellte Ludewig angesichts der Freiheit des Mandats fest. „Viele haben die Stimmen geholt, die andere missbraucht haben“, so der Vorsitzende. Nicht alles, was juristisch legal sei, sei gesellschaftspolitisch vertretbar.

„Entwicklung gefällt uns allen nicht“

„Die Entwicklung gefällt uns allen nicht“, erklärte der Ehrenvorsitzende Dr. Paul Gehring (Gütersloh). Ursache des Übels sei das eigene schlechte Wahlergebnis. Er habe Vertrauen, „dass die beiden etwas aus der Situation machen“. Weiter appellierte er: „Wir müssen unsere personellen Potenziale und das Gespräch miteinander pflegen.“

Jürgen Aufderheide (Borgholzhausen) äußerte sich ähnlich. „Wir können es uns nicht leisten, fünf Jahre im Kreistag keine Stimme zu haben.“ Nach Ansicht von Martin Lehmann (Schloß Holte-Stukenbrock) hat die scharfe Missbilligung durch den Kreisvorstand zur Verschärfung der Situation beigetragen. Damals habe er das Votum für vertretbar gehalten, jetzt sehe er das kritischer. „Wir müssen die Inhalte in den Vordergrund stellen.“ Da sich die AfD negativ entwickle, kündigten die FDP-Vertreter eines Tages vielleicht von sich aus die Liberale Fraktion auf.

Hemmelgarn-Kongress „nicht förderlich“

„Wir waren auf einem guten Weg“, berichtete Hermann Ludewig von zwischenzeitlicher Annäherung zwischen der Partei und den Top-Kreistagsmitgliedern. Die Mitorganisation des umstrittenen Wissenskongresses durch Udo Hemmelgarn (AfD) sei „nicht förderlich“ gewesen.

Dankbar für das Nein des Vorstands war Dr. Ulrich Klotz (Verl): „Wir müssen unseren Markenkern verteidigen und auch mit weniger zufrieden sein.“ Gabriele Sebbel (Rheda-Wiedenbrück) sagte: „Wir müssen die AfD ernst nehmen. Dahinter stehen viele unzufriedene Menschen.“

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