Mehr als zehn Tonnen Sojabohnen geerntet
Bild: Neitemeier
Versuch gewagt: (v. l.) Thomas und Bernhard Determeyer aus Westerwiehe haben auf 3,7 Hektar Ackerfläche erstmals in größerem Maße gentechnikfreie Sojabohnen angebaut. Gestern wurden die Hülsenfrüchte geerntet. Nach der Trocknung werden sie zu Mehl gemahlen, das Bestandteil des Futters für die Legehennen auf dem Hof ist. 
Bild: Neitemeier

Mehr als zehn Tonnen der eiweißträchtigen Frucht holten die Landwirte von der 3,7 Hektar großen Anbaufläche. Zu Mehl gemahlen, werden daraus zusammen mit anderen Stoffen rund 50 Tonnen Futter für die mehrere tausend Legehennen auf dem Hof.

„Das hat ganz gut geklappt“, blickt Thomas Determeyer zufrieden auf sein Versuchsprojekt. Statt nicht manipuliertes Sojamehl teuer zukaufen zu müssen, hat er den Eigenanbau gewagt und hofft nun, weitere Landwirte in der Region als Nachahmer gewinnen zu können. „Bei einem Ertrag von drei bis dreieinhalb Tonnen je Hektar rechnet sich das“, so der 38-Jährige.

Determeyers leisten Pionierarbeit im Kreis

Von der Aussaat über Pflanzenschutz und Düngung bis hin zur Trocknung der Bohnen stecken Sortenangebot, Bestandsführung und Infrastruktur hierzulande allerdings noch in den Kinderschuhen. Sojabohnen werden vor allem in den USA und Brasilien angebaut. Hiesige Breitengrade sind für diese Hülsenfrucht (Leguminose) noch untypisch, obwohl es im Nachbarkreis Warendorf ähnliche Versuche gibt. Auch der Biohof Strotdrees in Harsewinkel produziert schon auf einer kleinen Fläche Sojabohnen. In Süddeutschland trifft man bereits häufiger auf diesen Eiweißträger.

Ulrich Bultmann, der Leiter der Kreisstellen Gütersloh, Warendorf und Münster der Landwirtschaftskammer, sieht die Determeyers auf dem richtigen Weg und macht ihnen Mut. „Integriert in die Fruchtfolge ist die Sojabohne eine echte Bereicherung“, sagte der Leitende Landwirtschaftsdirektor beim Ernte-Termin auf dem Feld. Die Sojabohne produziere nicht nur den fürs Wachstum benötigten Stickstoff selbst, sondern gebe Überschüsse auch noch an den Boden ab.

Bereicherung für die Fruchtfolge

Thomas Determeyer bestätigt, dass er seine Sojabohnenfläche nicht mehrfach gedüngt hat und auch nur ein Pflanzenschutzdurchgang erforderlich war. Bultmann: „Die Sojabohnen decken die Ackerfläche schnell zu, so dass Wildkräuter weniger Chancen haben, ans Licht zu kommen.“

Hintergrund: Verbraucher lehnen hierzulande immer stärker Nahrungsmittel ab, die gentechnisch manipulierte Substanzen enthalten. Zwar ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa noch nicht untersagt, in Deutschland beispielsweise aber mit hohen Auflagen verbunden. Ulrich Bultmann erwartet, dass die EU den einzelnen Ländern die Entscheidung freistellen und es in Deutschland ein Verbot für gentechnisch manipulierten Pflanzen geben wird.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der „Glocke“ vom 14. Oktober.

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