Mit System gegen Kindesmissbrauch
Bild: Neitemeier
Kindeswohlgefährdung verhindern: Unter diesem Motto hat die Arbeiterwohlfahrt in Ostwestfalen-Lippe Fachkräfte ausgebildet und ein detailliertes Beurteilungssystem für auffällige Kinder erarbeitet. Vorgestellt wurde es am Freitag in der Tagesstätte „Laubfrosch“ in Schloß Holte-Stukenbrock von (v. l.) Fachberater Dirk Ritzenhoff sowie den beiden für den übergeordneten Einsatz geschulten Expertinnen Beate Winkler (Borgholzhausen) und Gabriele Eisenhuth (Schloß Holte-Stukenbrock).
Bild: Neitemeier

Bei der Beurteilung der Frage, ob das Wohl eines Kindes im Einzelfall gefährdet ist oder gar Missbrauch vorliegt, helfen den Erziehern in Tageseinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) inzwischen ein standardisierter Beurteilungsbogen und speziell geschulte Fachkräfte. Das abgestufte Konzept ist entwickelt worden, weil der Awo-Bezirksverband in seinen 107 Tageseinrichtungen in der Region qualitativ hochwertige Arbeit sicherstellen will – und weil 2005 der Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung im Sozialgesetzbuch verankert wurde.

Mit eigenen Mitteln hat die Awo Erzieherinnen zu Fachkräften für Kindeswohl ausgebildet. Dirk Ritzenhoff, Fachberater für die Tageseinrichtungen beim Awo-Bezirksverband: „Die Zeit des reinen Bauchgefühls ist vorbei.“

Fachkraft in jeder Tagesstätte

Eine Kindeswohlfachkraft gibt es auch in jeder der 17 Awo-Einrichtungen im Kreis Gütersloh. Verhält sich dort ein Junge oder Mädchen anders als gewöhnlich, muss die Fachkraft hinzugezogen und die Leitung des Hauses informiert werden. Anhand eines mehrseitigen Beurteilungsbogens wird die Situation analysiert. Ritzenhoff: „Hinter Veränderungen müssen nicht immer schlimme Entwicklungen stecken, manchmal gibt es einfache Gründe.“

Ist das Wohl eines Kindes akut bedroht oder kann eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden, kann die örtliche Fachkraft eine übergeordnete Expertin hinzuziehen. Zwölf gibt es beim Awo-Bezirksverband, drei davon im Kreis Gütersloh: Gabriele Eisenhuth in Schloß Holte-Stukenbrock, Beate Winkler in Borgholzhausen und Barbara Kochmeier in Steinhagen. Sie haben sich speziell fortgebildet. Jeweils rund 15-mal sind Eisenhuth und Winkler seit 2009 hinzugezogen worden. Hauptsächlich geht es darum, die Kolleginnen vor Ort zu beraten und zu unterstützen. „Der objektive Blick von außen ist wichtig“, umreißt Dirk Ritzenhoff den Kern des Konzepts.

Vielfältige Hilfsangebote

Sind Eltern überfordert, ist oft das Wohl von Kindern gefährdet. Wegen des täglichen Kontakts fallen Erziehern Veränderungen meist am ehesten auf. Die Awo-Fachkräfte schauen aber nicht nur auf Gefährdungen, sondern auch auf die vorhandenen Ressourcen, um schwierige Lagen zu meistern. Ritzenhoff: „Wir bieten vielfältige Hilfen an – verweisen aber auch ans Jugendamt oder an die Polizei, wenn unsere Bemühungen nicht fruchten.“

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