Mobbing-Erfahrungen vermittelt
Die Darsteller des Theaters Till (stehend v. l.) Theo Meller, Wolfgang Hofer, Ulrike Pranger, Laura Schümann, Thomas Peters und (liegend) Andy Zingsem haben rund 80 Schüler mit authentischen Schicksalen tief berührt. Ziel der Vorstellung war es, Gewalt und Mobbing zu verhindern und Opfern gezielt zu helfen.

Den Schülern der Lisa-Tetzner-Schule scheint das zu imponieren. Was die rund 80 Achtklässler zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Richard, der einen stereotypen gewaltbereiten Zeitgenossen verkörpert, heißt in Wirklichkeit Andy Zingsem und ist von Beruf Schauspieler.

Und auch die anderen vier Menschen, die am Dienstagmorgen auf der Bühne im Pfarrer-Rüsing-Haus stehen und von ihren Erfahrungen mit Gewalt erzählen, sind nicht – wie angekündigt – echte Gewaltopfer oder sogar Täter, sondern Schauspieler des Theaterensembles Till. „Das Kolping-Bildungswerk hat sehr gute Erfahrungen mit dem Theater-Projekt gemacht“, berichtet Christa Peitzmeier, Ganztagskoordinatorin der Lisa-Tetzner-Schule.

„Viele Kinder haben Gewalt und Mobbing selbst erlebt.“ Ziel ist, den Schülern anhand von fünf Schicksalen, die auf authentischen Begebenheiten beruhen, die verhängnisvolle Spirale von Gewalt und Mobbing näher zu bringen. „Dass alles sehr authentisch wirkt, liegt daran, dass wir unsere eigenen Erfahrungen eingebracht haben“, erläutert Laura Schümann. Sie schlüpft in die Rolle der Schülerin Nicole und fragt trotzig: „Was kann ich dafür, wenn die aus dem Fenster springt.“

Ein besonders drastischer Fall von Mobbing, auf den die Schüler sehr aufgewühlt reagierten, so dass einige weinend den Raum verlassen mussten. Das Rollenspiel des Neonazis Klaus Lützer ging ebenso unter die Haut wie das Schicksal von Kathrin Wollschläger, die einem Gewaltopfer helfen wollte und dabei verletzt wurde. Genauso wie der Fall eines Lehrers, der einen Schüler geschlagen hatte, als er sich nicht mehr zu helfen wusste. Am Ende der Vorstellung werden die wirklichen Identitäten enthüllt.

Einige Schüler waren irritiert, andere waren erleichtert. „Es ist ein Weg, um an die Schüler heranzukommen“, erklärt Sozialpädagoge Theo Peters, der den Schülern vorgegeben hatte, Leiter einer Agentur für Gewaltprävention zu sein. „Es ist wichtig wach zu rütteln. Beratungsstellen können betroffenen Schülern gezielte Hilfe anbieten.“

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