Moderne Trainingsräume für die Polizei
Die beiden Hallen des RTZ: hinten links die Schießbahnen, vorn rechts das Trainingshaus.

Im Mai – mit etwas Verspätung – will der Bauherr, der nordrhein-westfälische Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), das Zehn-Millionen-Euro-Projekt an die Polizei übergeben. Was von außen wie unscheinbare Gewerbearchitektur ausschaut, wird innen gespickt sein mit modernster Technik, Spezialmaterialien und allerlei Besonderheiten, die sich aus der Funktion ergeben, wie Architekt Daniel Richter vom BLB in Bielefeld sagt.

In dem Trainingszentrum sollen künftig die Beamten der sieben Polizeibehörden in OWL so realitätsnah wie möglich geschult werden. Es sei selten, dass das BLB eine derart hoch spezialisierte Anlage errichte, sagt Sprecher Carsten Pilz. Die Investitionssumme sticht dagegen weniger hervor. Ungleich mehr Geld stecke das Land gegenwärtig in Ostwestfalen in den Hochschulbau, sagt Carsten Pilz.

Die Hallen des RTZ fassen drei 25-Meter-Schießbahnen, zwei Mattenräume, wo es um Selbstverteidigungs- und Eingriffstechniken gehen wird, ein Trainingshaus sowie eine befahrbare Halle. Über den Schießbahnen wird gerade eine gewaltige Lüftung installiert – der Pulverdampf soll sich rasch verziehen.

Damit von Querschlägern keine Gefahr ausgeht, wird unter anderem ein 45 Millimeter dicker Gummigranulatboden verlegt. Im Bereich der Kugelfänge wird zum selben Zweck mit nassem Sand gearbeitet.

„Das ist alles sehr aufwendig“, betont BLB-Architekt Daniel Richter und zeigt auch auf einen Kasten unter der Decke. Dort wird der Beamer seinen Platz finden, der verschiedene Szenarien für die Schießübungen auf eine Leinwand projiziert. Selbst diese Kiste ist mit einem Stahlmantel verstärkt, damit fehlgeleitete Kugeln der Technik nichts anhaben können.

Im selben Gebäude finden sich die beiden Mattenräume. Kleine Sporthallen, wo der Schweiß fließen wird. Auch dort mussten etliche Sonderwünsche berücksichtigt werden, wie Daniel Richter sagt. So hängen die Heizkörper knapp unter der dreieinhalb Meter hohen Decke, damit sich die trainierenden Polizisten nicht an ihnen verletzen können.

Während auf den Schießbahnen scharf geschossen wird, darf im benachbarten Trainingshaus nur Farbmunition zum Einsatz kommen. Dort werden die Polizisten unter realitätsnahen Bedingungen Einsätze in Gebäuden üben. Für diesen Bereich sei bei der Planung Flexibilität oberstes Gebot gewesen, erläutert Daniel Richter. „Es lassen sich ständig neue Raumsituationen darstellen.“

Der Grundstein für das RTZ wurde im vergangenen April gelegt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) war dazu eigens nach Stukenbrock-Senne gekommen. Die beiden Hallen wurden modular und als Prototyp geplant, denn Regionale Trainingszentren für die Polizei soll es künftig auch andernorts in Nordrhein-Westfalen geben. Die neue Einrichtung auf dem Gelände der Polizeischule am Lippstädter Weg wird von den sieben Polizeibehörden in Ostwestfalen-Lippe (Bielefeld, Paderborn, Gütersloh, Höxter, Herford, Lippe und Minden-Lübbecke) gemeinsam genutzt und betrieben. In OWL sind insgesamt rund 3000 Polizisten im Dienst.

Schulklassen, Hotelzimmer oder Wohnungen, das alles könne möbliert und nachgestellt werden. Es gibt einen Gewahrsamsraum und eine Toilettenanlage. Die verschachtelten Flure und unterschiedlich gebauten Treppenhäuser seien ausdrücklicher Wunsch der Polizei gewesen, betont Daniel Richter.

Auch in das Trainingshaus wird modernste Technik Einzug halten. So wird eine Tür montiert, an der die Polizisten das Auframmen üben können. Elektronisch lässt sich steuern, wie stark der Widerstand ist. Die kleine befahrbare Halle dient schließlich dazu, Einsätze mit und aus dem Auto heraus zu trainieren.

Zu ihr gehört eine Galerie, auf der sich Zuschauer und Trainer postieren können, um das Geschehen zu überblicken. Sie stehen hinter Glas, um vor der Farbmunition geschützt zu sein. „Da wird sich sicher auch mal ein Minister einfinden“, vermutet Daniel Richter.

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