Mohn Media baut bis 2025 rund 470 Stellen ab
Foto: Bojak
Informierte über das Strategiepaket für Mohn Media: Dirk Kemmerer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Mohn Media,  erläuterte, warum 470 Stellen in der Großdruckerei abgebaut werden müssen.
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Die Belegschaft hat am Montag von der Maßnahme erfahren. Am Dienstag informierte Dirk Kemmerer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Bertelsmann Printing Group und Vorsitzender der Geschäftsführung von Mohn Media, in einem Pressegespräch über die Entscheidung. Strategie 3 M – Modernisierung Mohn Media – nennt Kemmerer die Umstrukturierung, die bis 2025 abgeschlossen sein soll. Die Arbeitsplätze sollen sozialverträglich abgebaut werden, betont er, möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Verhandlungen mit dem Betriebsrat

Seit Anfang des Jahres seien bereits 60 Mitarbeiter ausgeschieden, erläutert Kemmerer. 70 der abzubauenden Stellen seien mit Leiharbeitern besetzt. „Rund 100 Beschäftigte gehen in den Jahren 2023, 2024 und 2025 in den Ruhestand“, rechnet der Mohn-Media-Chef vor. Von den verbleibenden 240 Mitarbeitern verließen das Unternehmen vermutlich 100 im Rahmen der Fluktuation. Von den restlichen 150 seien 80 Prozent altersteilzeit- oder vorruhestandsfähig. Mit dem Betriebsrat, der vor drei Monaten darüber informiert worden sei, dass Handlungsbedarf bestehe, sollen jetzt weitere Gespräche geführt werden, um zu beraten, wie die Umstrukturierung umgesetzt werden könnte. „Ich war gestern in der Nachtschicht, um die Mitarbeiter zu informieren“, sagt Kemmerer. Viele hätten Verständnis signalisiert. Sollte der Stellenabbau wie geplant gelingen, sollen weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld gekürzt werden. Auch die Schichtzulagen wolle die Geschäftsleitung möglichst beibehalten werden, betont Kemmerer.

Rückgang bei Auflagen und Umfängen

Hintergrund für das Vorgehen sei die herausfordernde Situation auf den Druckmärkten, so Kemmerer. Seit zehn Jahren sei die Entwicklung rückläufig. Vor allem die fortschreitende Digitalisierung sei dafür verantwortlich, dass in vielen Bereichen, zum Beispiel bei Katalogen, Zeitschriften und Telefonbüchern, Auflagen und Umfänge zurückgingen. Hinzu komme ein Preisverfall. Im Zuge der Corona-Pandemie habe sich die Entwicklung beschleunigt. Von April bis Juni sei die Produktionsleistung von Mohn Media nochmals zurückgegangen. Um die Großdruckerei nach der Krise wettbewerbsfähig zu halten, sei die Strategie 3 M entwickelt worden, die auch Investitionen in IT, neue Technologien und die Erweiterung des Maschinenparks vorsehe.

Mit diesem Ausmaß nicht gerechnet

„Wir sind am Montag über den Inhalt des Projekts informiert worden“, sagt Torben Kuge, seit zwei Jahren Betriebsratsvorsitzender bei Mohn Media. 470 Arbeitsplätze seien „schon eine Hausnummer“. Dass die Geschäftsführung über eine Umstrukturierung nachdenke, sei bekannt gewesen. Mit so einem Ausmaß habe aber niemand gerechnet. Jetzt müsse der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung über die Ausgestaltung verhandeln. Auch die Mitarbeitervertreter seien selbstverständlich an einer sozialverträglichen Lösung möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen interessiert.

Betriebsrat erwartet detaillierte Informationen

Die Mitarbeiter im Betrieb hätten unterschiedlich auf die angekündigten Maßnahmen reagiert, sagt Kuge. Einige Ältere könnten sich durchaus vorstellen, möglicherweise ein oder zwei Jahre eher in den Ruhestand zu gehen. „Wenn die Bedingungen passen“, so Kuge. Jüngere machten sich durchaus Gedanken, wie ihre berufliche Zukunft aussehen könnte. Um weitere Fragen aus der Belegschaft beantworten zu können, benötige der Betriebsrat jetzt weitere Details von der Geschäftsleitung. Wie lange die Verhandlungen dauern könnten, vermag Torben Kuge noch nicht einzuschätzen. Dirk Kemmerer erklärte, er hoffe, dass vielleicht bis Herbst eine Einigung erzielt werden könnte.

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