Motorrad-Floß meistert die Ems
Bild: Steinecke
Gelungene Jungfernfahrt: Die Oldtimerfreunde Gütersloh bei ihrer Floßtour auf der Ems.
Bild: Steinecke

Einige bange Minuten später ist alles klar. Das Floß erweist sich als tragfähig und ist bereit zur einen Kilometer langen Jungfernfahrt zur Brocker Mühle. Eine Stunde hat zuvor der Zusammenbau des Floßes und die Montage des Motorrads gedauert.

Drei beherzte Tritte auf den Kickstarter genügen – und der 200 Kubikzentimeter große Einzylinder mit seinen sieben Pferdestärken erwacht zum knatternden Zweitaktleben. Vorsichtig lässt Gerd Beyer den Oldtimer warmlaufen, bis die blaue Auspufffahne verschwunden ist. Dann kann es losgehen. Leinen los, den Gang eingelegt und Gas gegeben. Munter quirlt das Schaufelrad durch das Wasser und setzt die schwankende Konstruktion („Die Glocke“ berichtete) gemächlich in Bewegung.

Tapfer rackert die DKW sich ab, um das Gefährt und seine Ems-Piraten gegen das ruhig dahinfließende Flüsschen in Schwung zu bringen. Einmal in Fahrt „rast“ es mit einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit von zwei Stundenkilometern gen Bestimmungsort. Die Männer an den an Bug und Heck angebrachten Steuerpinnen müssen kräftig zupacken, um das Floß auf Kurs zu halten. Vor allem die Heckmannschaft hat mit den Unbilden der Konstruktion zu kämpfen. Der Spritzschutz erfüllt seine Funktion nur unzureichend, und die Gischt des Schaufelrads sorgt für eine kühle Dusche.

Des einen Leid ist jedoch des anderen Freud. Die unfreiwillige Kühlung hält die Temperatur des eigentlich luftgekühlten Motörchens im erträglichen Rahmen. Mangels Fahrtwind wäre er sonst wohl den Hitzetod gestorben. Wie hitzig es tatsächlich zuging, zeigten am Ende der Flussfahrt die ausgeglühten Krümmer, die dunkelblau angelaufen waren. Über ausreichende Kühlung brauchte sich Steuermann Peter Schulze-Sünninghausen keine Gedanken zu machen. 50 Meter vor dem Ziel hieß es plötzlich „Mann über Bord“. Pit musste gerettet werden.

Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch. Nach einer Stärkung aus der „Grill-Kombüse“ kickten die Ems-Piraten ihren alternativen Schiffsantrieb wieder an, um die Rückreise zum Ausgangsort anzutreten.

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