Nach drei Jahren mit der Familie vereint
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Kurz vor dem Fest hat ein im Kreis Gütersloh lebender Flüchtling aus Syrien ein ganz besonderes Geschenk bekommen: Er durfte seine Ehefrau und seine Kinder zu sich holen.
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Seit dem 1. August ist der zuvor ausgesetzte Familiennachzug Flüchtlingen, die nur einen subsidiären Schutzstatus haben, möglich – und er funktioniert, wie die Ausländerbehörde des Kreises Gütersloh mitteilt. Subsidiär heißt so viel wie behelfsmäßig. Solche Schutzberechtigten sind zum Beispiel Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, die aufgrund des bewaffneten Konflikts in ihren Heimatländern schutzwürdig sind. Im Kreis Gütersloh lebende Familienmitglieder warten teilweise schon lange auf ihre Angehörigen, wie es in einer Mitteilung des Kreises heißt. Bei so einer langen Wartezeit sei es verständlich, wenn es möglichst alles ganz schnell gehen soll.

Dem Kreis Gütersloh liegen dazu derzeit acht Fälle vor, die insgesamt 22 Personen betreffen. Dabei handelt es sich um Syrer, denen aufgrund der unsicheren Lage im Heimatland der sogenannte subsidiäre Schutzstatus zuerkannt wurde.

Ein ganz besonderes Geschenk konnte kurz vor dem Fest einem syrischen Familienvater gemacht werden. Seine Ehefrau und seine drei Kinder konnten zu ihm reisen. Dies ist vor allem auf die in der Zeit der Trennung der Familie erbrachte Integrationsleistung des Vaters zurückzuführen, wie der Kreis mitteilt. Er habe beispielsweise die drei Jahre seines bisherigen Aufenthalts genutzt, um sich umfangreiche deutsche Sprachkenntnisse anzueignen. Dies helfe nicht nur ihm selbst bei der Suche nach einer Arbeit. Auch seine Familie könne er bei ihrer Integration unterstützen.

Wo so eine Zusammenführung stattfindet – beispielsweise am Flughafen oder schon am neuen Wohnort –, das bleibt dem in Deutschland lebendem Flüchtling übrigens selbst überlassen. Im Idealfall komme die Familie in der Wohnung des in Deutschland lebenden Angehörigen unter, heißt es auf Nachfrage der „Glocke“ aus der Kreisverwaltung. Sollte dieser nicht über eine eigene Wohnung verfügen oder diese nicht groß genug sein, könne unter Umständen die Stadt oder Gemeinde helfen. Volljährige Familienangehörige, die nachziehen, werden in Deutschland zum Integrationskursus verpflichtet. Minderjährige unterliegen der allgemeinen Schulpflicht. „Eine Verpflichtung ist dort entbehrlich“, so die Kreisverwaltung.

Das Verfahren des Familiennachzugs funktioniert so: Nachdem die Angehörigen bei der Auslandvertretung den notwendigen Visumsantrag gestellt haben, prüft diese zunächst die auslandsbezogenen Aspekte, insbesondere die dortige Lebenssituation der Antragssteller. Da zum Beispiel in Syrien die Deutsche Botschaft nicht für Besucher geöffnet ist, müssen syrische Angehörige den Visumsantrag in den Auslandsvertretungen in Beirut, Erbil und Istanbul stellen, heißt es auf Nachfrage der „Glocke“ aus der Kreisverwaltung.

Anschließend beteiligt die Vertretung über ein Online-Verfahren die zuständige Ausländerbehörde. Diese beurteilt auf Grundlage aller positiven und negativen Aspekte die Integrationsfähigkeit des in Deutschland lebenden Familienmitglieds und informiert die Auslandsvertretung über das Ergebnis dieser Prüfung. Liegen die rechtlichen Möglichkeiten zur Erteilung eines Visums vor, bestätigt letztlich das Bundesverwaltungsamt verbindlich das Vorliegen eines humanitären Grunds und trifft verbindlich eine Auswahl, wer zu den jeweils 1000 Nachzugsberechtigten pro Monat gehört.

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