„Nachbarn auf breiter Basis einbinden“
Bild: Neitemeier
Auch Fragen aus dem Publikum zum Thema Bürgerwind wurden am Mittwoch im Kreishaus Gütersloh gestellt und beantwortet.
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Unter dem Motto „Bürgerwind im Aufwind“ wurde am Mittwochabend im Kreishaus Gütersloh bei der Vorstellung der Windpotenzialstudie des Kreises Goldgräberstimmung erzeugt. Von Risiken war kaum die Rede. Die Botschaft: Die kreisweit 85 Standorte für weitere Windräder nutzen und dabei nicht auf Investoren von außerhalb setzen, sondern das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen.

Entwicklungsgesellschaften gründen

„Machen Sie nicht wenige Bauern reich und verärgern zugleich hunderte anderer Menschen, sondern binden Sie alle Nachbarn auf breiter Basis ein“, sagte Heinz Thier von BB-Wind. Als Dienstleister unterstützt die Beratungsgesellschaft des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) Grundeigentümer, Kommunen und andere Beteiligte, auf geeigneten Flächen Windräder zu planen und zu errichten.

Thier empfahl Betroffenen und Interessenten, frühzeitig mit geringem Kapitaleinsatz Entwicklungsgesellschaften zu gründen, die nicht auf einen Standort oder ein Suchgebiet beschränkt sein müssten. Denn: „Von zehn möglichen Vorhaben schaffen es vier. Die meisten bleiben im Artenschutz hängen.“

Nicht frühzeitig Grundstücke verkaufen

Vorrangiges Ziel der Entwicklungsgesellschaften sei die Sicherung der Flächen und die Schaffung von Baurecht. Der WLV-Experte rät den Besitzern von Flächen, auf denen Windräder sinnvoll scheinen, dringend von einem frühzeitigen Verkauf der Grundstücke an Investoren oder Fonds ab. „Die versprochenen Summen werden am Ende nur selten gezahlt.“ Betroffene sollten sich stattdessen mit Nachbarn zusammentun, um selbst aus der Situation Kapital zu schlagen. Schließlich sei der hierzulande selbst erzeugte Strom aus Wind dreimal günstiger als die in Anlagenparks auf See produzierte Energie.

Aucht Pacht für Anlieger

Nach den Bürgerwind-Konzepten erhalten nicht nur die Grundeigentümer jährlich Pacht, sondern – zonenmäßig nach den Lärmemissionen abgestuft – auch die Anlieger. Thier: „So schaffen sie Akzeptanz.“ Vier bis fünf Prozent der Umsatzerlöse würden an Pacht ausgeschüttet. Im Gegensatz zum Artenschutz bereite der Schlagschatten der Rotoren heute kaum noch Probleme. „Das ist technisch über Sensoren zu steuern“, so der BB-Wind-Vertreter.

Nach Angaben des Beraters erfordert ein 3-Megawatt-Windrat Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro. 90 000 Tonnen Kohlendioxid würden dadurch vermieden, rund 25 000 Euro Gewerbesteuer gezahlt. Und: „Als Wertschöpfung bleiben 14 Millionen Euro vor Ort.“

Ähnlich hatte sich im Kreishaus zuvor auch Jörg Tiemann vom Bürgerwindpark Hollich bei Burgsteinfurt (19 Anlagen mit knapp 30 Megawatt, 218 Gesellschafter) geäußert. Der Geschäftsführer skizzierte anschaulich ein Projekt, das nach eigenen Angaben durch Teamgeist, Bodenständigkeit, dem ehrlichen Umgang der Eigentümer und Nachbarn miteinander sowie durch eine hohe Identifikation und zahlreiche Aktionen vor Ort überzeuge, wirtschaftlich erfolgreich sei und akzeptiert werde. Zur Nachahmung empfohlen, sozusagen.

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