Naturschützer über Freispruch entsetzt
Die Naturschützer Bernhard Walter, Leiter der Biologischen Station Bielefeld/Gütersloh (l.), und Wolfhart Kantsteiner, Sprecher der OWL-Umweltverbände, vor dem Stumpf der ihrer Ansicht nach absichtlich gefällten Buche, die Quartierbaum einer Kolonie von Bechstein-Fledermäusen war.

Richterin Michaela Kaminski hatte den angeklagten 44-jährigen Landwirt am Montag vom Vorwurf des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz freigesprochen. Wie berichtet, stützte das Gericht sein Urteil auf Aussagen eines Gutachters. Danach sind die Population und die Wochenstube der geschützten Bechsteinfledermaus in dem Raum nahe der geplanten Autobahn A 33 trotz des Fällens der trockenen Buche nicht gefährdet, weil es genügend Ausweichbäume gibt.

Der Freispruch läuft nach Ansicht des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) darauf hinaus, „dass Grundbesitzer jeden Respekt vor dem Naturschutz verlieren“. Karsten Otte, Sprecher der Naturschutzverbände in Ostwestfalen-Lippe, ist einer Mitteilung zufolge sauer: „Mit der gleichen Begründung könnte man einen Ladendieb freisprechen, weil die geklaute Tafel Schokolade die Kaufhauskette nicht in ihrem Bestand gefährdet habe.“

BUND fordert neue Autobahntrasse

Fledermaus-Experte Bernd Meier-Lammering ergänzt: „Der Gutachter und die Richterin tun so, als könnten Bechstein-Fledermäuse in jedem x-beliebigen Baum leben. Das geht völlig an der Wirklichkeit im Wald vorbei.“ Jeder einzelne trockene Baum sei für eine Population, die ohnehin von allen Seiten bedroht werde, lebensnotwendig. Otte: „Wer will, dass in Deutschland zumindest hier und da noch Orchideen wachsen oder Bechstein-Fledermäuse jagen, ist darauf angewiesen, dass wenigstens die eng gezogenen Grenzen des Naturschutzes absolut tabu sind.“ Der Forstwirt habe „ganz genau gewusst, was er tat“, erneuert der Naturschutz-Sprecher seine Kritik an dem Waldbauern.

Besonderes Unverständnis erregte bei den Naturschützern, dass das Gericht den Biologen Roland Heuser als einzigen Gutachter gehört hat. Schließlich arbeite der auch für Straßen NRW als A-33-Gutachter. Die Experten der Umweltverbände schätzten die Bedeutung des gefällten Baumes jedenfalls deutlich anders ein. Und weil obendrein weitere Quartierbäume gefunden worden seien, werde der BUND in seiner Klage gegen die A 33 eine Verlegung der Trasse fordern.

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