Noch kein Urteil bei Raub-Prozess
Vor dem Landgericht Bielefeld müssen sich vier junge Männer wegen eines Raubüberfalls auf ein Haller Ehepaar verantworten.

Der Grund: Am Montag, 3. Dezember, sollen zwei weitere Komplizen in einem neuen Verfahren vor einer anderen Kammer gehört werden.

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass – vermutlich sechs – Männer den Überfall durchgeführt haben. Sie rechneten in der Nacht auf den 29. November 2017 mit einer Millionenbeute. Doch nur 160 Euro Bargeld fielen ihnen in die Hände. Erst wurden vier Verdächtige festgenommen, später noch zwei: Alle sitzen in Untersuchungshaft.

Seit August muss sich die zunächst angeklagte Vierergruppe wegen Raubs vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. „Der Ring schließt sich enger um jene, die bisher keine Mittäterschaft einräumen“, meinte gestern ein Prozessbeteiligter. Drei der Angeklagten wollen angeblich „nur“ als Fahrer dabei gewesen oder Schmiere gestanden haben. Dies betreffe aber nicht seinen Mandanten, ist sich Verteidiger und Rechtsanwalt Sascha Haring, Halle, sicher. Denn der 32-Jährige habe als erster der mutmaßlichen Räuber den Tatablauf eingeräumt. Und damit, stellte Haring am Dienstag gegenüber der „Glocke“ heraus, habe sein Mandant eine Art Kronzeugenstatus erreicht. Von ihm seien auch zwei weitere Komplizen benannt worden.

Dies führte zu Festnahmen zweier Araber, ebenfalls nun in Untersuchungshaft. Sie erwartet ein gesondertes Strafverfahren wegen ihrer möglichen Beteiligung am Überfall auf das Ehepaar in Halle-Hörste. Termin ist der 3. Dezember vor der zehnten Strafkammer.

Nur ein Angeklagter im Räuber-Quartett, ein 23 Jahre alter Familienvater, der eine vage Täterbeschreibung geliefert und damit den Ermittlungserfolg gefördert haben soll, befindet sich aufgrund seines soliden Umfelds auf freiem Fuß. Er spricht gut Deutsch und kann weitgehend auf den Dolmetscher verzichten.

Dass die 79-jährige Ehefrau, der einer der damals vermummten Eindringlinge ein Klebeband auf den Mund gedrückt und sie an einen Stuhl im Schlafzimmer gefesselt hat, einen „gut Deutsch sprechenden“ Beteiligten beschrieben hat, ist Tatsache. Rechtsanwalt Sascha Haring: „Wenn die zwei weiteren Angeklagten im neuen Verfahren aussagen, sollen sie auch vor der 20. Kammer erscheinen, um als Zeugen vernommen zu werden. Aber dies kann auch zu einer erheblichen Prozessverschleppung führen.“
SOCIAL BOOKMARKS